Von Markus Fritsch
Das Leben ist ein greller bunter Stern, der schnell zu verglühen droht. Unter diesem karnevalesken Motto beginnt Jacks Leben, der während einer Karnevalsparty als Frühgeburt zur Welt kommt. Der absurde, feucht-fröhliche Lebensbeginn im Kreißsaal hat nur einen Haken: Jack hat eine genetische Fehlprogrammierung, seine Zellteilungsrate ist viermal höher als die normaler Babys.
Im irdischen Alter von zehn Jahren wird Jack somit die Physis eines Vierzigjährigen besitzen, und die Schule wird er mit dem Körper eines Siebzigjährigen beenden. Die Ausgangsbedingungen für eine Tragikomödie mit absurdem Einschlag sind zuerst von der Story her nicht schlecht – dazu in der Rolle des Jack Grimassenkönig Robin Williams und als Lehrer an seiner Seite Bill Cosby – die Umsetzung einer außergewöhnlichen Lebensperspektive als dramaturgisches Konzept ist jedoch nur zum Teil gelungen.
Coppola wollte sich zur Erzeugung einer surrealen Grundstimmung an Filmen wie Antonionis
Die rote Wüste orientieren, um dadurch den Eindruck einer fremden Realität zu erzeugen. Jedoch greift Coppola zu oft auf die Zwangsjacke der konventionellen Erzählperspektive zurück. Ein paar schnell ziehende Wolken, ein bißchen subjektive Kamera und ein paar Aufnahmen im Zeitraffer reichen noch nicht aus, um den Zuschauer in eine fremde Welt zu entführen.
An manchen Stellen deutet der Film an, welches Potential hätte entfaltet werden können, wenn Coppola Jacks subjektiver Perspektive mehr Raum gegeben hätte. Es sind Momente, in denen Coppolas Sinn für das Absurde und Williams' komisches Talent sich ergänzen – Slapstick ohne sozialromantischen Hintergrund und aus Jacks Sicht ins Absurde verfremdet.
Als Metapher für Jacks beschleunigtes Leben dient die durch einen Zeitraffer gefilmte Metamorphose eines Schmetterlings, der an seinem Fenster auftaucht und stirbt. An diesem Punkt hätte Coppola noch die Chance gehabt, gemeinsam mit Cocteau in eine märchenhafte Realität abzutauchen. Durch eine stärkere Verfremdung hätte aus
Jack so etwas wie ein neuer
Edward mit den Scherenhänden werden können – ein Märchen für Erwachsene und Kinder.
Nur leider erinnert
Jack von seiner inszenierten Gefühlsromantik eher an sozial verkitschte Filme wie
Rain Man oder
Am achten Tag, die sich in ihrer oberflächlichen Normalität zu wichtig nehmen und ziemlich aufdringlich wirken.
Jack bleibt trotz des Staraufgebots weit hinter seinen angedeuteten Möglichkeiten zurück. Ein bißchen Verrücktsein, ein bißchen Komik und Kitsch –
Jack hat für jeden etwas und doch von einem zu wenig: von glaubwürdiger Tiefe.
1970-01-01 01:00