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Irren ist männlich

D 1996. R: Sherry Hormann. B: Kit Hopkins. K: Gérard de Battista. S: Norbert Herzner. M: Peter Wolf. D: Herbert Knaup, Corinna Harfouch, Richy Müller, Axel Milberg, Dominik Graf, Natalia Wörner u.a.
96 Min. Buena Vista ab 31.10.96
Von Petra Koterzyna München, die Sonne scheint. Und die läßt nicht nur die Stadt in harmonischer Idylle erscheinen, sondern seit nunmehr 13 Jahren auch die Ehe von Thomas und Bettina Neumann (Knaup, Harfouch). Veredeltes Familienglück mittels zweier Kinder – aber da muß es doch einen Haken geben!

Also wird dem Erfolgsanwalt klischeehaft eine erotische Affäre mit einem »polyglotten Fickmäuschen« (Wörner) angehaftet. Zielstrebig und autonom, wie jene(s) ist, will sie keinen (Ehe-)Mann, sondern eine Samenbank mit Sexappeal. Aufgrund der ausbleibenden Schwangerschaft verlangt sie von Thomas einen Fruchtbarkeitstest.

Schockiert sucht er Rat bei seinem Bruder, dem katholischen Priester Johannes (Müller), der, wissend um Thomas' »überaktive Libido«, ihm abrät. Dieser, getrieben von seinem Männlichkeits- und Berufsethos, will es aber genau wissen. Das Ergebnis: unfruchtbar – und zwar schon immer. Diese neuartige Variante könnte nun doch noch interessant werden; jetzt sollte seine heile Welt endlich aus den Fugen geraten.

Doch die filmische Umsetzung bleibt bürgerlich gediegen: Es folgt die klassische Irrfahrt des betrogenen (?) Entmännlichten und -väterlichten: ein gepflegtes Besäufnis. Mit der manischen Suche nach dem Vater seiner (?) Kinder setzt nun der comedyübliche Eiertanz zwischen Wahrheit und Lüge ein.

Der Stoff ist gut und birgt viele Möglichkeiten zu Slapstick und zur Komik eines Woody Allen oder Rob Reiner (Harry und Sally). Doch Hormanns Problem ist gerade die mangelnde Konsequenz der Genres romantic oder social comedy – oder Drama? Schwache Dialoge unterfordern die Schauspieler, und der Zuschauer schwelgt in der vermeintlichen Sicherheit schöner Kameraeinstellungen, gedämpfter Emotionen und jeder Menge Verständnis. Aber wo bleiben Wut, Schadenfreude, Erkenntnisse, Aha-Effekte und die zu erwartenden Lachanfälle? Die letztendliche Konsequenz ist kein Wunder: das Happy-End. Schade drum: Es reicht nur zu einem Hera Lindschen TV-Abend. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

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