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Into the Blue

USA 2005. R: John Stockwell. B: Matt Johnson. K: Shane Hurlbut, Peter Zuccarini. S: Nicolas de Toth, Dennis Virkler. M: Paul Haslinger. P: Columbia, MGM, Manderlay. D: Paul Walker, Scott Caan, Jessica Alba, Ashley Scott, Josh Brolin u.a.
110 Min. Fox ab 13.10.05

Bacardi-Abenteuer

Von Holger Liepelt Unverhofft kommt oft: Anstatt einer weiteren Enttäuschung bei der Suche nach einem legendären Piratenschatz finden zwei Taucherpärchen vor Nassau (???) nicht nur das Wrack des Schiffes, sondern direkt daneben auch das eines jüngst abgestürzten Flugzeugs voller Kokain. Nach der obligatorischen Geld-oder-Anstand-Diskussion beschließt man, den Goldschatz des Schiffswracks zu heben, bevor es jemand anderes tut, um dann den Rauschgiftfund den Behörden zu melden.

Die beiden Hauptfiguren Jared und Bryce sind das klassische Beispiel des gegensätzlichen Brüderpaares. Jared ist ein ernster Aussteigertyp, der in edler Armut im Trailer lebt, sich als Tauchlehrer durchschlägt und ewig auf den großen Fund gewartet hat. Bryce ist ein windiger Anwalt mit Spielschulden ohne Belastungen durch moralische Bedenken. Da die Bergung des Schiffs nur mühsam vorangeht, weil das Geld für professionelle Ausrüstung fehlt, ist es kein Wunder, daß die verführerische Kraft des schnellen Geldes aus dem Flugzeug mit jedem Tauchgang steigt. Schließlich siegt die Gier, und Bryce stellt einen Kontakt zum lokalen Drogenbaron her. Der wiederum ist nicht sehr erfreut, denn es stellt sich heraus, daß es dessen eigener Stoff ist, der da auf dem Meeresgrund liegt. Im Gegenzug zwingt er sie, das Geld für ihn zu bergen. Jared macht aus der Not eine Tugend und besteht auf Geld für ein professionelles Bergungsboot – er will gleichzeitig das Wrack heben.

An dieser Stelle ist man als Zuschauer freudig überrascht, ging es bisher doch hauptsächlich darum, die Apfelpos und Sixpacks der Hauptdarsteller leinwandfüllend in der Bacardi-Kulisse in Szene zu setzen. Die verzwickte Konstellation birgt auf einmal ein erhebliches Spannungspotential, da neben den Drogendealern und den Tauchern auch konkurrierende Schatzsucher am Fund interessiert sind, während die neugierige Küstenwache um die Taucher herumschleicht und droht, alles zu konfiszieren, während sie im Akkord Drogen und Schatz bergen. Schöne Möglichkeiten also für ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, da man sich zudem auf das Abenteuergenre besinnt und auf zuviel Action-Schnick-Schnack verzichtet.

Jedoch scheinen die Produzenten ihre Zielgruppe von Club-Rotation-Sehern nicht überforden zu wollen. Schneller als man »Showdown« sagen kann, ist das Interessengeflecht auf eine Duellsituation reduziert, und nach einem überaus konfusen und unnötig brutalen finalen Kampf kommt es zum einfachst anzunehmenden Ende: Die Taucher können sich nicht nur moralisch sauber, sondern auch reich aus der Affäre ziehen. Die Einfallslosigkeit wiegt umso schwerer, da nebenher versucht wird, einen Diskurs um die richtige Wahl zwischen Geld oder Liebe aufzumachen: Bryce verführt Jared mit der Bemerkung, dieser könne seine Freundin nicht länger halten, wenn er weiter im Trailer wohnt. Diese wiederum fragt ihn einmal, ob er sie oder den Schatz wählen würde. Solch existentielle Gedanken will man der Zielgruppe leider nicht zumuten, was zu diesem unbefriedigenden Schluß führt – am Ende könnte man den Film nach Verlassen des Kinosaals diskutieren. 1970-01-01 01:00
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