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In den Schuhen meiner Schwester

In Her Shoes. USA 2005. R: Curtis Hanson. B: Susannah Grant. K: Terry Stacey. S: Craig Kitson, Lisa Churgin. M: Mark Isham. P: In Her Shoes. D: Cameron Diaz, Toni Collette, Shirley MacLaine, Mark Feuerstein u.a.
130 Min. Fox ab 10.11.05

Frauenbande

Von Nicole Ribbecke Frauen wissen, daß dieselbe Schuhgröße zu einer Menge Krach und Zwietracht führen kann. In Curtis Hansons neuem Kinofilm sind nicht nur modische Differenzen die Streitpunkte zwischen zwei Schwestern und nicht alleine der Kampf um Männer der Grund, ihr Verhältnis zueinander in Frage zu stellen. Wie bereits in seinem Biopic 8 Mile geht es in Hansons In her Shoes darum, seine eigene Identität zu finden und mit dieser glücklich zu werden.

Zwischen den ungleichen Schwestern mit einer bösen Stiefmutter kommt es zum Bruch. Es folgt die Zusammenführung der Familie durch die jahrelang verloren geglaubte Großmutter und letztendlich die obligatorische Hochzeit, um die Hochglanz-Soap perfekt abzurunden.

Erfreulicherweise beweist Curtis Hanson zu Beginn seiner Umsetzung dieses von übermäßiger Rührseeligkeit bedrohten Märchens einmal mehr sein Talent zu glaubwürdiger Darstellung und charakterlicher Tiefe. Das hübsche Partygirl Maggie mit einer starken Leseschwäche beneidet Rose um deren erotische Stilettos. In diesem Fall sind sie Ausdruck des beruflichen Erfolgs ihrer Schwester. Für diese jedoch versinnbildlichen sie das aufregende Leben, das sie als verantwortungsvolle Anwältin nicht führen kann und um das sie wiederum ihre ausgeflippte Schwester beneidet. Im Laufe des Films überwinden die beiden Frauen ihre stereotype Rolle, getrennt voneinander im pastellfarbenen Florida bei der Großmutter Ella und im herbstlichen Chicago.

Hier nun beginnt der Film, sich unnötig zu dehnen, um schließlich doch in den Kitsch abzurutschen. Toni Collette bleibt während ihrer Wandlung weiterhin glaubwürdig und wunderbar, jedoch kommt man nicht umhin, sich ständig an ihre differenziertere und brillantere Darstellung der sehr ähnlichen Rolle in Muriel's Wedding zu erinnern. Für Cameron Diaz entwickelt sich der Film zu einem Laufsteg, auf dem sie ihr model-artiges Getue aus ihren früheren Filmen perfektioniert und welches das Ringen um eine Charakterdarstellung deutlich erschwert. Lesen lernt sie bei einem blinden Professor im Altersheim (gähn). Zum Bedauern des Zuschauers, denn das zu Tränen rührende Gedicht, welches sie bei der Happy-End-Hochzeit vorträgt, und dessen vollkommen unnötige Wiederholung aus dem Off nur wenige Minuten später hätte man sich lieber erspart. »Und das von einer, die sich eine Briefmarke auf den Hintern klebt und behauptet, das sei ein Badeanzug«, wie eine der Seniorinnen so treffend bemerkt. Die alternden Bewohner der Wohnanlage (für aktive Senioren) versprühen indes den wahren Witz dieser Komödie, in deren Runde Shirley Maclaine gewohnt souverän ihre Rolle entwickelt, die an Terms of Endearment und Steel Magnolias erinnert.

Eine Frauengeschichte, die leider die melancholische Poesie von Wonder Boys und das komplex verstrickte Handlungspuzzle von L.A. Confidential vermissen läßt, die uns aber ein weiteres Mal durch ein emotionales Potpourri vermittelt, daß es nie zu spät ist, aus seinem bisherigen Leben auszubrechen. 1970-01-01 01:00
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