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In deinen Händen

Forbrydelser. DK 2003. R,B: Annette K. Olesen. B: Kim Fupz Aakeson. K: Bøje Lomholdt. S: Molly Stensgaard. M: Jeppe Kaas. P: Zentropa Entertainment. D: Ann Eleonora Jørgensen, Trine Dyrholm, Nikolaj Kopernikus, Sonja Richter u.a.
102 Min. Concorde ab 9.9.04

Zweifelhaftes Wissen

Von Christian Lailach Moment um Moment, greifbar bis zu dem schließenden. Die Ereignisse haben sich überschlagen; mehr kann, muß, darf nicht. Noch Wochen später, wenn Nebel aufzieht, bleibt die letzte Einstellung. Immer langsamer zieht sie vor dem geistigen Auge daher; plötzlich der immer wieder gleiche Knall.

Anna, Pastorin in einer Frauenvollzugsanstalt, sieht sich konfrontiert mit dem Leben. Eigener Glaube und von außen oktroyierte Vernunft verschwimmen ineinander, verwischen; bis sie zuletzt einer Neudefinition bedürfen.

Ständig spielt Annette Olesen kaum merklich mit der Realität und dem Übersinnlichen, skizziert den Glauben unter Ungläubigen, die Biologie wider ihr Selbst; das Leben als Zweifeln an dem Erklärten und Erklärbaren, als das ständig Unerwartete. Die Figuren folgen ihr dabei, scheinen vernünftig, beinahe logisch zu handeln; um der Unlogik Willen. Meist bleiben sie an der Oberfläche des Alltäglichen, verlassen diese nur selten, dafür umso intensiver. Alle Handlungsstränge verkomplizieren sich, ineinander verquickt. Sie lähmen sich selbst und gegenseitig, tragen eine innere, kaum merkliche Spannung. Entscheidungen wollen hingegen nicht getroffen werden, warten scheinbar auf einen äußeren, lenkenden Einfluß. Der Wunsch nach dem Glauben, dem Ungewissen prallt letztlich auf den ungeschriebenen Codex der Realität.

Insofern ist die Unterwerfung unter das Dogma ein fast zwingender Schluß, wenngleich Annette Olesen die Dogmen in den Hintergrund treten läßt, erstaunlich unterschwellig die Kraft jedes einzelnen nutzt. Überdies fesselt die Bildsprache, schauspielerisch als auch technisch eindringlich, mit auffallender Nachhaltigkeit; vermittelt durch Reduktion ohne erkennbaren Anspruch auf Authentizität. Somit lebt Szene für Szene ihren Charakter, den der Einmaligkeit eines Moments auf der Suche nach dem Glauben.

Bis alles erstarrt. Du fühlst eine einzige Träne, vollkommen unerwartet; beginnst nachzudenken, verläßt die Oberfläche und bleibst einfach sitzen. 1970-01-01 01:00
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