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In China essen sie Hunde

I Kina spiser de hunde. DK 1999. R,S: Lasse Spang Olsen. B: Anders Thomas Jensen. K: Morten Søborg. M: George Keller. P: Steen Herdel. D: Kim Bodnia, Dejan Cukic, Nikolaj Lie Kaas, Tomas Yillum Jensen, Peter Gantzler u.a.
91 Min. TiMe ab 6.7.00
Von Thomas Waitz »Life is a beautiful thing«, tönt es noch am Anfang: ein höhnischer Vorgeschmack auf das, was kommen mag. Morgens, um Viertel vor Sieben hingegen ist die Welt in Ordnung, bis der Radiowecker den Bankangestellten Arvid aus den Träumen holt. Doch genau da scheint er, längst wach, stets zu verharren, äußerlich zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern, ganz und gar überfordert von dem mannigfaltigen Unglück, das über ihn hereinbrechen wird. Die Gelassenheit bewahrt er sich auch in jenen Momenten, in denen er sein Schicksal dann selbst in die Hand nimmt, unter Zuhilfename seines kriminellen Bruders Harald.

In ruhigen Einstellungen, mit oftmals statischer Handkamera, beginnt Lasse Spang Olsen seine in absurden Situationen verdichtete Geschichte. Augenblicklich scheint alles lustig, voll des schwarzen Humors, sarkastisch in der Schilderung eines eskalierenden Geldtransporterüberfalls, der doch ein Befreiungsschlag sein sollte, und zum Alptraum gerät. Da dürfte vielen Zuschauern schon das Lachen im Hals stecken bleiben, nicht im Sinne einer gelungenen filmischen Operation, sondern: aus Abscheu. Dann, unerwartet, kippt der Film völlig.

Es sind nicht einmal die sichtbaren Brutalitäten des Films, es ist sein niederträchtiger, alles Menschliche mit Füßen trampelnder Nihilismus, der die Abscheu hervorbringt. Da werden ach-so-coole Witze auf Kosten von Schwulen und Behinderten gemacht. Soll das lachen machen? Soll uns das einen Spiegel vors Gesicht halten? Nein, das ist einfach nur erbärmlich und dumm. Schlicht etwas auszusprechen, was nicht politisch korrekt ist, stellt mithin keinen Witz dar. Das könnte als Abwehr funktionieren, der Film macht sich aber die menschenverachtende Gefühlslosigkeit seiner Figuren, den moralischen Relativismus, nach dem nur das eigene Handeln, das eigene ethische Empfinden zählt, auf widerlichste Art zu eigen und offenbart eine Haltung, nach der die einzige anerkennenswerte Verantwortung die ist, welche man sich selbst gegenüber habe. Zynismus hat immer auch etwas mit einer schmerzhaften, verzweifelten Liebe zu tun. Olsen hat keine Liebe. Weder für seine Figuren, noch für den Zuschauer, noch für das Kino selbst. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.

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