— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Das Imperium der Wölfe

L'empire des loups. F 2005. R,B: Chris Nahon. B: Christian Clavier, Franck Ollivier. K: Michel Abramowicz. S: Marco Cavé. M: Olivia Bouyssou, Grégory Fougeres, Dan Levy, Pascal Morel, Samuel Narboni, Luca de Medici. P: Gaumont. D: Jean Reno, Arly Jover, Jocelyn Quivrin, Laura Morante, Philippe Bas, Vernon Dobtcheff u.a.
128 Min. Tobis ab 25.8.05

Schatten der Erinnerung

Von Frank Brenner Einer der grandiosesten Ausnahmeschauspieler der aktuellen französischen Filmszene ist der in Casablanca geborene Jean Reno. Kaum einem anderen zeitgenössischen Darsteller gelingt es, gut situierte, erfolgreiche Geschäftsleute genauso überzeugend zu verkörpern wie raubeinige Draufgänger oder schmierige Halbweltfiguren wie nun hier in Das Imperium der Wölfe. Dazwischen findet er auch immer wieder Gelegenheit, sich erfolgreich mit Komödien im humoristischen Fach zu behaupten. Chris Nahons Nachfolgefilm zu seinem Sensationserfolg Kiss of the Dragon reiht sich nun in die Reihe von Renos düsteren Killerfilmen à la Die purpurnen Flüsse ein, überflügelt den müden zweiten Teil dieser Filme jedoch um Längen.

Anna Heymes wird in einem neurologischen Hightech-Labor auf ihren Geisteszustand untersucht. Obwohl sie seit acht Jahren mit Laurent verheiratet ist, erkennt sie ihren Mann auf Fotos nicht wieder. Leidet sie tatsächlich unter Gedächtnisverlust oder liegt die Ursache ganz woanders? Besteht eventuell ein Zusammenhang mit den bestialischen Morden an illegalen türkischen Einwanderinnen in Paris, die der junge Kommissar Nerteaux mit Hilfe des abgebrühten Ex-Bullen Schiffer aufzuklären versucht?

Die Ausgangskonstellation des Thrillers ist nicht gerade neu. Um einen gefährlichen Serienkiller zu stellen, wird einem engagierten, disziplinierten aber etwas unerfahrenen jungen Ermittler ein alter Haudegen an die Seite gestellt, der sich blendend in der Unterwelt auskennt, aber auch nicht vor unsauberen Verhörmethoden zurückschreckt. Doch abgesehen von diesen schon oftmals durchgespielten Genrekonventionen bietet Chris Nahons Film nervenzerrende Spannung mit perfiden, expliziten Horror- und Slashereinlagen und einer gekonnt ausgetüftelten Thrillerstory.

Die Geschichte basiert auf dem Roman des überaus erfolgreichen französischen Bestsellerautors Jean-Christoph Grangé, der eben auch zu Die purpurnen Flüsse die Buchvorlage geliefert hatte. Stimmung, Setting und der ruppig-raue Stil sind sowohl den beiden Büchern als auch den beiden Filmen gemein. Da es Nahon, dem Wunschregisseur des Autors und seines Verlages, vorzüglich gelingt, diese charakteristischen Elemente in seine Adaption einzuarbeiten, ist Das Imperium der Wölfe zu einem herausragenden Genrebeitrag geworden, der Liebhaber düster-schauriger Geschichten mit nicht allzu labilem Magen zwei Stunden ausgezeichnete Unterhaltung bieten wird. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap