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Immortal

Immortel. F/GB/I 2004. R,B: Enki Bilal. B: Serge Lehman. K: Pascal Gennesseaux. S: Veronique Parnet. M: Goran Vejvoda, Sigur Rós, Venus. P: Telema, CIBY 2000 u.a. D: Charlotte Rampling, Thomas Kretschmann, Linda Hardy, Thomas Pollard, Frédéric Pierrot u.a.
102 Min. Tiberius ab 26.5.05
Von Thomas Warnecke Ein im wesentlichen am Computer generierter Film ist nichts Aufregendes mehr. Was Immortal allenfalls sehenswert macht, ist das Zusammenspiel von Schauspielern mit virtuellen 3D-Figuren. Um »echt« und »unecht« geht es auch in der Handlung: um echte und falsche Gefühle, um Menschen und Mutanten und um einen Gott, der Gott bleiben möchte. Vor allem geht es um Geschlechtsverkehr. Die altägyptischen Gottheiten sind im Jahre 2095 christlicher Zeitrechnung nach New York und außerdem ziemlich auf den Hund gekommen. Der Falkengott Horus kann seine Unsterblichkeit nur durch Paarung mit der vom Mutanten zum Menschen sich transformierenden Jill Bioskop erhalten, zu diesem Behufe muß er sich allerdings eines menschlichen männlichen Körpers bedienen. Die Wahl fällt auf Alcide Nikopol, der 30 Jahre lang zur Strafe in der Tiefkühltruhe verbrachte und jetzt der einzig leidlich vollständige Mensch ist.

Irgendwie kommt einem alles schon bekannt vor, weil ja Science Fiction sowieso immer aus einem Mix von populären, Wissenschafts- und eben antiken Mythen besteht, vor allem aber weil Immortal sich so viel Mühe gibt, wie andere Science Fiction-Filme auszusehen, allen voran Metropolis und Blade Runner (welche beide weit weniger nachahmenswert sind als allgemein behauptet wird); die vermeintlich mythisch-philosophische Komponente samt Namensgebung der Helden geht auf Enki Bilals eigene Comicvorlagen aus den 80ern zurück. Die gelegentlichen Explosionen oder die ägyptischen Gottheiten sehen allerdings aus wie Fantasy-Games, die schon Ende der 90er mit durchschnittlicher Grafikkarte auf jedem PC liefen. Vielleicht hat Bilal das selbst gemerkt und deshalb auf Action weitgehend verzichtet, um stattdessen auf sogenannt Zwischenmenschliches sowie auf Humor zu setzen, was durchaus nicht genretypisch ist, in diesem nahezu spannungsfreien Film aber auch keine besonderen Funken schlägt. In der Amphytrion-mäßigen Geschichte um Gott und Menschenpärchen rechtet etwa der sich mißbraucht fühlende Mann nach alter Väter Sitte mit seinem lieblosen, aber zeugungslustigen Gott: »Fuck you!« »Right«, antwortet Horus, »but let's fuck her again first!« Entschuldigen Sie bitte, aber abgesehen davon, daß dem Produktionsdesign samt gelegentlicher Film noir-Atmosphäre das ein oder andere abzugewinnen ist, war dies schon der dramatische Höhepunkt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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