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Im Zeichen der Libelle

Dragonfly. USA 2002. R: Tom Shadyac. B: Brandon Camp, Mike Thompson, David Seltzer. K: Dean Semler. M: John Debney. S: Don Zimmerman. P: Universal. D: Kevin Costner, Susanna Thompson, Linda Hunt, Kathy Bates u.a.
104 Min. Buena Vista ab 11.4.02
Von Matthias Grimm Viele sehen in der Platitüde, daß der Weg das eigentliche Ziel sei, immer noch so etwas wie die eine große Lebensweisheit, und tatsächlich veranschaulicht dieser simple Satz recht einleuchtend, was das Problem an Filmen wie Im Zeichen der Libelle ist.

Dieser beschreibt die Suche des Arztes Joe Darrow, der nach dem Tod seiner Frau Visionen, Zeichen erhält, die darauf hindeuten, daß die Verstorbene aus dem Jenseits Kontakt zu ihm aufnehmen will – oder bildet er sich alles nur ein? Und was zum Geier will sie ihm denn nun eigentlich sagen? Das ist die Frage, die sich Dr. Darrow und mit ihm der Zuschauer stellt, und die Antwort darauf ist das Ziel, das es in den knapp zwei Stunden des Films zu erreichen gilt. Somit macht den Film vornehmlich eines aus: Warten. Und das ist bekanntlich gleich Langeweile.

Natürlich will Im Zeichen der Libelle Spannung einerseits dadurch aufbauen, daß er Erwartungen auf ebenjene Lösung des Rätsels schürt und zum anderen den Protagonisten auf dem Weg dorthin in allerhand prickelnde Situationen geraten läßt. Doch einmal mehr verweise ich auf die Filmtheorie Hitchcocks, der bereits treffend beschrieb, wie unsinnig es ist, den Zuschauer unnötig lange schmoren zu lassen, bis sich Suspense in Gleichgültigkeit verwandelt hat. Zum zweiten funktioniert die Libelle nicht, weil die Szenen, die auf triviale, handwerkliche Weise Spannung transportieren sollen, sich in keiner Weise von vergleichbaren und noch frischen Werken wie The Sixth Sense, The Others oder Schatten der Wahrheit abheben. Nicht zuletzt waren die Filme, die durch ihre Auflösung überraschten – stellvertretend seien wiederholt The Sixth Sense oder The Usual Suspects genannt –, nur deswegen überzeugend, weil sie prinzipiell nicht darauf angewiesen waren und demzufolge nicht oder nur unbewußt darauf hinarbeiteten. Der Film, und in diesem Sinne eben der Weg, ist das Ziel und nicht der Paukenschlag am Ende. Noch dazu ertönt die Lösung der Libelle nicht mit einem Tusch, sondern allenfalls mit einer verranzten Tröte. 1970-01-01 01:00
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