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Im Netz der Spinne

Along Came a Spider. USA 2001. R: Lee Tamahori. B: Marc Moss. K: Matthew F. Leonetti. S: Neil Travis. M: Jerry Goldsmith. P: Phase 1. D: Morgan Freeman, Monica Potter, Michael Wincott, Penelope Ann Miller u.a.
104 Min. UIP ab 12.7.01
Von Matthias Grimm Was wir über die Realität wissen, wissen wir aus – dem Kino. Das ist prinzipiell kein Problem, schließlich gehört es zur zentralen Identität der Medien, Realität zu konservieren und zu transportieren. Auch daß die konstruierte Realität des Hollywood-Kinos nur wenig mit der vermeintlichen Objektwelt einer »tatsächlichen« Realität gemein hat, wäre zu verschmerzen und verweist nur darauf, daß die besten Geschichten doch fiktional und nicht historisch sind.

Ärgerlich wird es dann, wenn auch Autoren nur noch selbstreferenziell funktionieren, Realität kopieren und zwar nicht aus inspirierter Deskription, sondern aus Filmen anderer. Vielleicht hätte Lee Tamahori sein Werk besser komplett aus bestehendem Material zusammenmontieren sollen – das wäre zumindest billiger gewesen. Der Film vollzieht ein paar ganz überraschende Wendungen, doch gerade diese sind gänzlich uninteressant: Überraschende Wendungen machen dann Sinn, wenn es zum zentralen Kern des Films gehört, Wahrheiten zu finden, die sich als falsch erweisen, oder wenn sie rückwirkend eine strukturelle Veränderung des Films bewirken.

Im Netz der Spinne versucht eine Mischung aus beidem und scheitert kläglich, weil die Wendung weder angedeutet wird, noch von psychologischer Relevanz ist. Sie ist Selbstzweck, wie alles an dem Film. Die erschreckend konventionelle Geschichte vom brillant-psychopathischen Entführer, der den charismatischen Gegenspieler zum intellektuellen Katz-und-Maus-Spiel erwählt, ist nicht nur alt, sondern vor allem eines: langweilig. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
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