— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Im Fadenkreuz – Allein gegen alle

Behind enemy lines. USA 2001. R: John Moore. B: Jim Thomas, John Thomas, David Veloz, Zak Penn. K: Brendan Galvin. S: Paul Martin Smith. M: Don Davis. P: Davis Entertainment. D: Owen Wilson, Gene Hackman, Gabriel Macht, Charles Malik Whitfield u.a.
105 Min. Fox ab 31.01.02
Von Sascha Seiler Wie muß der serbische Bösewicht aussehen, der in den Bergen haust und seinen Lebensunterhalt als gewissenloser Scharfschütze verdient? Genau: Er muß ein Gesicht zum Reinschlagen haben und – noch wichtiger – einen dieser billigen osteuropäischen Adidas-Imitats-Trainingsanzüge tragen.

Der wegen seiner fehlenden Härte vom Bösewicht verhaßte Kompagnon ist dann ein leicht sensibel dreinschauender junger Mann mit Matte. Aber warum sollen die Serben denn nicht all den westlichen Horrorklischees entsprechen, wenn auch die Amerikaner und Europäer lediglich herumlaufende Karikaturen sind: Gene Hackman, wer sonst, als knallharter, aber im Herzen grundanständiger Oberkommandierender wird von einem portugiesischen NATO-General in seinen Ambitionen, »meinen Jungen rauszuholen« gebremst, weil dem rationalen Europäer der lächerliche Friedensprozeß wichtiger ist als eben »den Jungen rauszuholen«.

Die Hälfte des Films besteht nun also aus klischeehaften, patriotischen und einfach nur albernen Dialogen auf einem amerikanischen Flugzeugträger im Mittelmeer. Doch es ist die andere Hälfte von Im Fadenkreuz die fasziniert. Wie in First Blood kämpft sich der abgeschossene Pilot von einem Treffpunkt zum anderen, immer gejagt vom oben erwähnten Trainingsanzug, durch ein komplett zerstörtes und vermintes Bosnien. Die Aufnahmen sind atemberaubend und vor allem schockierend. Teils lediglich mit einer Handkamera gefilmt, zeigt der Film die wahren Schrecken des Krieges auf eine schonungslos realistische Weise. Hier erinnert er zeitweise an Joel Schumachers letztjährige Low-Budget Produktion Tigerland, auch ein faszinierender Einblick in die Schrecken des Krieges.

Leider werden diese interessanten – und auch spannenden – Sequenzen stets von einem aufgesetzt entschlossen blickenden Hackman unterbrochen, der mit dem Mantra »Ich werde meinen Jungen rausholen« nicht auf die Schrecken des Krieges, sondern auf die Schrecken eines Hollywoods verweist, das sich gezwungen sieht, der amerikanischen Politik in einer problematischen Phase den Rücken zu stärken. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap