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Identität

Identity. USA 2003. R: James Mangold. B: Michael Cooney. K: Phedon Papamichael. S: David Brenner. M: Alan Silvestri. P: Konrad Pictures. D: John Cusack, Ray Liotta, Amanda Peet, John Hawkes, Alfred Molina, Rebecca De Mornay u.a.
90 Min. Columbia ab 18.9.03

Zehn kleine Identitäten

Von Daniel Albers Wie sagte Charlie Kaufman in Adaptation noch gleich zu seinem Bruder und angehenden Drehbuchschreiber Donald: »Es gibt nur eins, was noch abgedroschener ist als Serienmörder: gespaltene Persönlichkeiten.« Da der Plot von Identität im wesentlichen auf diesen beiden Thrillerklischees beruht, sollte man eigentlich nicht allzu viel Neues erwarten. Jedoch kann man sich schon von Beginn an an den Schockerqualitäten des Films laben, genau wie an der einmal nicht komischen, aber wieder exzellenten schauspielerischen Leistung des Allrounders John Cusack.

Dieser chauffiert des Nachts bei strömendem Regen die abgehalfterte, zickige Schauspielerin Caroline durch die Staaten, als er eine neben ihrem liegengebliebenen Wagen stehende Mutter mit voller Wucht erfaßt. Ab jetzt versucht er alles, um das Leben der schwer verletzten Frau zu retten. Mitsamt Mann und Sohn der Verletzten kommen sie in einem nahe gelegenen Motel unter, in dem sich nach und nach noch weitere Personen einfinden, die alle auf der Flucht vor den sintflutartigen Niederschlägen sind, die inzwischen Telefon- und Verkehrsverbindungen zum Motel abgeschnitten haben. Als schließlich auch ein Cop eintrifft, der einen gemeingefährlichen Mörder überführt, ist der Figurenkorpus komplett, mit dem das beliebte Thrillerspielchen »Zehn kleine Negerlein« gespielt werden kann, wobei der in Agatha Christies Kriminalstück unbekannte Mörder in Identität offensichtlich schon von Anfang an eindeutig zu identifizieren ist – oder doch nicht? Schließlich ist da noch so etwas wie eine Rahmenhandlung, in der der unter multipler Persönlichkeitsspaltung leidende Killer Malcolm Rivers kurz vor seiner Hinrichtung doch noch von seiner Krankheit geheilt werden und somit eine letzte Chance auf Leben erhalten soll.

Zunächst hauptsächlich durch eine angenehm unheimliche Atmosphäre bestechend und ansonsten nicht weiter überraschend, wartet Identität bereits kurz nach seinem Bergfest mit dem entscheidenden Clou auf, der sich gewaschen hat. Originell und beinahe kurios ist die dann folgende regelrechte Serie von Entlarvungen, die den Film bis zum Schluß spannend und auf jeden Fall sehenswert macht. Liebhaber des Genres werden sich zudem an Mangolds versiertem Spiel mit Motiven aus Psycho, dem Urvater aller Psychothriller, erfreuen können.

Identität stellt sicherlich eine immense Steigerung im Filmwerk des Bühnen- und Drehbuchautors Michael Cooney dar, zu dessen Regiearbeiten der Trash-Horror Jack Frost und dessen Sequel Jack Frost 2: Revenge of the Mutant Killer Snowman gehören. So sehr allerdings Cooneys Drehbuch im zweiten Teil zu Höchstform aufläuft, desto tiefer fällt es ob seiner Vorhersagbarkeit leider am Schluß. Robert McKee würde im Grabe rotieren, gesetzt den Fall, er wäre tot. 1970-01-01 01:00

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