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Ich habe keine Angst

Io non ho paura. I/E/GB 2003. R: Gabriele Salvatores. B: Nicolo Ammaniti, Francesca Marciano. K: Italo Daniele Petriccione. S: Massimo Fiocchi. M: Pepo Scherman, Ezio Bosso. P: Cattleya, Colorado Film u.a. D: Aitana Sanchez-Gijon, Dino Abbrescia, Giorgio Caroccia, Guiseppe Cristiano u.a.
108 Min. Kinowelt ab 18.12.03

Verlust der Unschuldigkeit

Von Melanie Balz Ich habe keine Angst erzählt die Geschichte eines zehnjährigen Jungen namens Michele, der durch Zufall in einen Entführungsfall verwickelt wird. Beim Spielen in einem verfallenen Haus stößt er auf ein Erdloch, in dem ein Kind seines Alters gefangen gehalten wird. Diese Entdeckung läßt ihm keine Ruhe. Er erzählt niemandem davon, kehrt aber wieder und wieder an das Erdloch zurück, um für den anderen Jungen zu sorgen, der vor Hunger, Angst und Schmerzen nahezu besinnungslos ist.

Es handelt sich um Filippo, den Sohn eines reichen, lombardischen Großindustriellen, der vor zwei Monaten entführt wurde. Michele findet heraus, daß nicht nur der seltsame Freund seines Vaters, mit dem er sein Zimmer nun teilen muß, mit dem Verbrechen zu tun hat, sondern daß sein eigener Vater den Jungen entführt hat.

Gabriele Salvatores hat einen Thriller geschaffen, dem die Behäbigkeit seiner Entwicklung nicht recht zu verzeihen ist. Das mag einerseits daran liegen, daß die Gesamtstory recht dünn erscheint, andererseits daran, daß sie aus der Sicht eines Zehnjährigen erzählt wird, dessen Wahrnehmung es bedingt, die Thrillerhandlung immer wieder in die Sicht des Betrachters rücken zu müssen. Schließlich war Michele bis dahin ein ganz normales Kind, dem das wirklich Böse im Menschen noch nicht begegnet ist. Dieser Mangel wird dann durch eine Überinstrumentalisierung bestimmter Stimmungselemente kompensiert. So beispielsweise, wenn der skrupellose Sergio, der mit Michele sein Zimmer teilt, nach einer Mücke schnappt, sie zerquetscht und achtlos wegwischt. Unheil verkündend fliegen Vögel durchs Bild, oder es werden dramatische Momente mit Donnergrollen unterlegt. Der Soundtrack tut hier sein übriges.

Im Grunde handelt es sich bei Ich habe keine Angst um die Geschichte eines Jungen, der seinen unschuldigen Blick auf die Welt der Erwachsenen verliert. Diese Kernaussage wird dargestellt durch das immer wiederkehrende Motiv der goldenen Kornfelder, in denen die Kinder zunächst noch unbeschwert herumtollen. Gegen Ende des Filmes wird Michele dann alleine über die Felder schauen und am Horizont drei Mähdrescher erblicken, die alles niedermachen, was ihnen in den Weg kommt. Die Ähren stellen sich nicht wieder auf. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #32.
© 2012, Schnitt Online

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