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I Want You

GB 1997. R: Michael Winterbottom. B: Eoin McNamee. K: Slavomir Idziak. S: Trevor White. M: Adrian Johnston. D: Rachel Weisz, Alessandro Nivola, Luka Petrusic, Labina Mitevska u.a.
87 Min. PolyGram ab 1.10.98
Von Tom Beyer In Gelb getauchte Landschaften, unscharfe und verzerrte Gesichter, verkantete Häuserfluchten, bis zur Abstraktion aufgelöste Liebesszenen – so sieht die Welt mit den Augen eines Slavomir Idziak aus. Und es ist sein Blick auf die Menschen einer kleinen englischen Küstenstadt, der Michael Winterbottoms neuen Film dominiert und ihm seinen ganz eigentümlichen Reiz verleiht.

Idziak, berühmt geworden durch die herausragende Fotographie der Kieslowski-Filme, wurde für I Want You auf der Berlinale verdientermaßen mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Angesichts solch hypnotischer Bilder und Stimmungen gerät die äußere Handlung fast zur Nebensache.

Aus der Haft entlassen, kehrt Martin auf der Suche nach seiner einstigen Liebe in seine Heimatstadt zurück. Doch Helen hat mittlerweile ein neues Leben begonnen und will von ihren vergangenen Beziehungen nichts mehr wissen. Als Martin dennoch den Kontakt zu Helen sucht, wird er zunehmend von der Vergangenheit eingeholt.

Winterbottom geht es zum Glück weniger um diesen Plot, als vielmehr um die Gefühle, Stimmungen und zwischenmenschlichen Facetten, die sich in der Konfrontation von Vergangenem und Gegenwärtigem entladen. Wie in seinem Kino-Erstling Butterfly Kiss und der meisterhaften Thomas Hardy-Adaption Jude erzählt der junge britische Regisseur vom Scheitern der Liebe und den Qualen der Menschen, die vergebens dagegen ankämpfen.

Und wieder kann sich Winterbottom dabei auf Schauspieler verlassen, deren intensives Spiel lange nachwirkt. Besonders der junge Luka Petrusic in der Rolle des stummen Honda, bleibt nachhaltig im Gedächtnis. So sind es neben der Fotographie und dem immer wiederkehrenden titelgebenden Elvis-Costello-Song vor allem die Echtheit und Nuanciertheit der Figuren, die aus einem einfachen Kleinstadt-Drama ein atmosphärisch dichtes und beklemmendes Porträt machen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
© 2012, Schnitt Online

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