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I shot Andy Warhol

USA 1996. R,B: Mary Harron. K: Ellen Kuras. S: Keith Reamer. M: John Cale, REM, Pavement u.a. D: Lili Taylor, Jared Harris, Stephen Dorff, Martha Plimpton u.a.
106 Min. Tobis ab 30.1.97
Von Thomas Meißner »Jeder kann für fünfzehn Minuten ein Star sein!« Diesen Satz Andy Warhols kennt wohl jeder. Doch daß sich dieses einmal gegen ihn richten könnte, damit hatte der Pop-Art-Künstler bestimmt nicht gerechnet. Am 3. Juni 1968 war es dann soweit: Valerie Solanas feuerte drei Schüsse auf Warhol ab und verletzte ihn lebensgefährlich.

Von dieser Valerie Solanas handelt I shot Andy Warhol. Eine Biographie also? Sicherlich mehr als das. Der Film bietet ein Sittengemälde der ausgehenden 60er Jahre, einen Einblick in das alltägliche Leben Andy Warhols und der Menschen, die ihre Zeit mit ihm verbracht haben. Eine von diesen war auch Valerie Solanas, aus einem zerrütteten Zuhause im Alter von 15 Jahren davongelaufen und in New York gelandet. Dort schlug sich die bekennende Lesbierin mit Prostitution durch, bettelte und schrieb ihr S.C.U.M. (Society for Cutting Up Men) Manifesto. Sie haßte Männer.

Irgendwann begegnete sie Andy Warhol und glaubte, in dieser Umgebung von Künstlern, Musikern und Schmarotzern verstanden zu werden. Sie hoffte, Warhol würde ihr Theaterstück »Up your Ass« inszenieren, und sie würde Unterstützung im Kampf gegen die Männer finden. Doch das war nur ein Wunschtraum. Irgendwann fühlte sie sich von allen verlassen, vor allem von ihrem Idol Warhol, und richtete die Waffe gegen ihn.

Die Britin Mary Harron, zuvor Musikjournalistin u.a. für den »New Musical Express« (hier schrieb sie auch über Velvet Underground, deren Mitglied John Cale für den Soundtrack verantwortlich zeichnet), arbeitete sieben Jahre lang an diesem Projekt und hat für ihren ersten Spielfilm illustre Schauspieler gewonnen: Lili Taylor hat bereits in Altmans Short Cuts und Prêt-a-Porter ihr Gesicht auf der Leinwand gezeigt und dieses auch neben Mel Gibson in Kopfgeld nicht verblassen lassen. Sie spielt die Valerie Solanas so, wie diese wohl auch war; ein bißchen verrückt, mit phantastischen Ideen im Kopf, aber auch mit beiden Beinen fest auf der Erde.

Jared Harris trat erstmalig in Wayne Wangs Smoke und Blue in the Face in Erscheinung. Sein Andy Warhol ist verletzlich und einsam, und fast scheint es, er wundere sich noch nicht einmal über die Schüsse auf ihn. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
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