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I, Robot

USA 2004. R: Alex Proyas. B: Jeff Vintar, Akiva Goldsman. K: Simon Duggan. S: Jeffrey Ford u.a. M: Marco Beltrami. P: Davis Entertainment, Laurence Mark Prods. D: Will Smith, Bridget Moynahan, Bruce Greenwood u.a.
Fox ab 5.8.04

Asimovs Erben

Von Matthias Grimm Ein Mensch ist tot, und der ermittelnde Detective glaubt nicht an einen Selbstmord. Sein Hauptverdächtiger jedoch ist einer, der es unmöglich gewesen sein kann: ein Roboter, und diese werden bekanntlich mittels einprogrammierter Verhaltensregeln zu Friedfertigkeit und absolutem Gehorsam gezwungen. Alsbald stellen sich diese Regeln jedoch lediglich als Verhandlungsbasis für das harmonische Miteinander heraus, und die einstigen Haushaltsgeräte proben den Aufstand.

Isaac Asimovs Robotergeschichten gehören seit ihrem Erscheinen Anfang der 50er Jahre zum Kanon der Science Fiction-Literatur. In ihnen entwarf der Autor seine utopische Welt nur vordergründig zu prognostischen Zwecken zukünftiger Technologien und Gesellschaftsformen: Vor allem die Romane »The Caves of Steel« und »The Naked Sun« entwerfen in dialektischer Weise unterschiedliche Lebensmodelle einer in völliger Technikabhängigkeit stagnierenden Menschheit. Seine Kurzgeschichten dagegen waren stets als kriminalistische Gedankenexperimente angelegt, die bewußt moralische Paradoxien heraufbeschwören, um die zentralen Eigenschaften unhinterfragt akzeptierter Handlungsmaximen in Frage zu stellen.

I, Robot nannte sich der Sammelband, in dem erstmals sämtliche Roboter-Kurzgeschichten zusammengefaßt waren und mit dem der gleichnamige Film nurmehr den Titel und Asimovs Konzept der »Drei Gesetze« gemein hat. Doch durch Alex Proyas Filminterpretation weht ganz unerwartet ein zutiefst Asimovscher Geist, den vor allem die zahlreichen Roman-Spin-Offs vermissen lassen, die seit dem Tod des Autors immer noch in unüberschaubarer Masse den Buchmarkt überschwemmen. Der Film greift dabei auf ein an der Kantschen Ethik orientiertes Paradoxon einer allgemeinen Gesetzgebung zurück, auf das Asimov selbst erst in seinem Spätwerk stieß, und das hier vielleicht sogar origineller und scharfsinniger verhandelt wird, als es im Original der Fall ist.

Nicht nur deshalb ist I, Robot kein banaler Blockbuster-Action-Film, sondern vor allem, weil er als Actionfilm schlicht nicht viel taugt. Die Actionszenen wirken aufgesetzt, die entsprechenden Spezialeffekte sind überzogen und künstlich. Auch Alex Proyas gelingt es nicht, wie zwei Jahre zuvor noch Spielberg mit Minority Report, dem futuristischen Szenario eine angemessene visuelle Erzählform zu verpassen, und verspielt somit seine Chance, sich nach dem überstilisierten Dark City einen Auteur-Status als ernsthafter Science Fiction-Regisseur auszubilden. Aber immerhin hätte er beinahe einen guten Film gemacht. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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