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I Love You Baby

D 2000. R: Nick Lyon. B: Ron Peer. K: Ekkehart Pollack. S: Vera Theden. M: Reinhold Heil. P: Two Guys and a Girl, Warner. D: Mark Keller, Jasmin Gerat, Burkhard Driest, Maximilian Schell, Mario Irrek, Ralph Morgenstern u.a.
98 Min. Warner ab 20.4.00
Von Frank Brenner Warum dieser Film über ein Gaunerpärchen, das sich bei einem herzensguten, einsamen Multimillionär unlauter einschmeichelt, jedoch mit den Sabotageversuchen zahlreicher anderer Schurken zu kämpfen hat, im Kino ausgewertet wird und nicht gleich als TV-Movie der Woche auf RTL läuft, bleibt mir ein Rätsel. Schließlich setzt der große deutsche Privatsender schon seit Jahren auf amerikanische Drehbücher, die übersetzt und in Details auf deutsche Verhältnisse umgeschrieben werden. Ebenso werden hier immer wieder unbekannte US-Regisseure mit dem Inszenieren dieser seichten Fernsehkost betraut, wohl um dem ganzen einen Hauch von Hollywood zu verleihen oder weil man sich damit besser gemachte Actionszenen erhofft.

I Love You Baby – nun also im Kino. Damit scheint die Hoffnung verknüpft, aus den beiden Fernsehgesichtern Mark Keller und Jasmin Gerat Kinostars zu machen. Bitte nicht! Der ehemalige Dean-Martin-Imitator aus der Rudi-Carrell-Show und das ›Bravo Girl‹ des Jahres 1994 machen die platten Dialoge noch unerträglicher. Wenn die Entwicklung im deutschen Kino auf diese Weise voranschreitet, plädiere ich vehement für die Einführung eigener Goldener Himbeeren in diesem unserem Lande.

Die Nebenrollen sind da schon wesentlich lohnender besetzt, u.a. mit einem schmierig-durchtriebenen Ralph Morgenstern, einem undurchsichtig-proletigen Mario Irrek und einem faszinierenden Maximilian Schell, der gleichwohl etwas mehr auf sein Gewicht und seine Rollenwahl achten sollte. Burkhard Driest gebührt das meiste Darstellerlob. Er gibt mal wieder den fiesesten und verabscheuungswürdigsten Ganoven in einer Geschichte voller Gauner und Falschspieler. Mit 'beißer'ähnlichen Goldhauern, narbig-ungeschminktem Gesicht und blondgefärbtem Kurzhaarschnitt entspricht er zwar dem gängigen Gangsterklischee, bringt durch seine zynische Art aber einen nicht zu verachtenden Pepp in die Story.

Ekkehart Pollack, der Chefkameramann, sorgt für zusätzliche Erleichterung. Seine Kameraästhetik wäre für einen RTL-Fernsehfilm bahnbrechend und ist auch im Kino noch beachtlich. Die außergewöhnlichen Einstellungen und so manche optische Spielerei suchen hierzulande ihresgleichen. Leider bleibt er mit seinen zahlreichen Groß- und Detailaufnahmen einem Fernsehstil treu, der das Kinopublikum erschlägt und reichlich deplaziert wirkt. War zum Zeitpunkt der Dreharbeiten etwa noch gar nicht klar, für welches Medium der Film entsteht? 1970-01-01 01:00
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