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House on Haunted Hill

USA 1999. R: William Malone. B: Dick Beebe. K: Rick Bota. S: Anthony Adler. M: Don Davis. D: Geoffrey Rush, Famke Janssen, Taye Diggs, Peter Gallagher u.a.
105 Min. Helkon ab 27.4.00

Langweilige Geisterbahn

Von Julian Tyrasa Der Horrorfilm boomt. Nur so läßt es sich wohl erklären, daß ein Major-Studio wie Warner Brothers House On Haunted Hill in die Kinos bringt, statt ihn unauffällig als Videopremiere zu vermarkten; denn trotz des offensichtlich immensen technischen Aufwands wirkt das Endprodukt wie ein lieblos zusammengeschustertes B-Movie. Das Remake des gleichnamigen Films von 1958 (mit Vincent Price in der Hauptrolle) ist tricktechnisch up to date, doch das kann nicht verbergen, daß die Dramaturgie der Geschichte nach über vierzig Jahren völlig angestaubt ist.

Dabei beginnt alles sehr vielversprechend: Nach einem kunstvoll gestalteten Vorspann, der Computertricks mit klassischen Stop-Motion-Effekten verbindet, wird in einer düsteren Eingangssequenz die Geschichte des House On Haunted Hill erzählt, in dem ein wahnsinniger Arzt Geisteskranke ohne Betäubung operierte und mißhandelte. Auch wenn der Film schon hier nicht mit drastischen Details spart, erzeugen diese ersten fünf Minuten doch eine unheimliche und beklemmende Atmosphäre, auf die man in den folgenden anderthalb Stunden vergeblich wartet. Fünf Menschen sollen eine Nacht in eben jenem Haus verbringen, das nun einem exzentrischen Millionär gehört, und stellen fest, daß der Spuk nicht nur die von ihm angekündigten Tricks sind, sondern echt ist.

Mit dem Sprung in die Gegenwart findet der Film zu keiner eigenen Form mehr: Eine einfallslose Musik begleitet mal säuselnd, dann wieder effekthaschend die Handlung, auf die interessante Architektur des Gebäudes, das man zu Beginn in der Totalen sieht, wird überhaupt nicht mehr eingegangen, was durch einen konzept- und orientierungslosen Schnitt verstärkt wird.

Das Hauptproblem aber liegt eindeutig in dem atemberaubend schlechten Drehbuch, das mehr den Gesetzen einer Geisterbahn als denen der Psychologie Beachtung schenkt. Wenn fünf Menschen in einem Haus voller Geister Angst haben – warum laufen sie dann ständig alleine durch dunkle Gänge?! Und wenn das klare Ziel von Anfang an darin besteht, das Haus zu verlassen – wieso versuchen diese Menschen es dann nur in den ersten und letzten fünf Minuten? Um all diesen Schwachsinn zu kaschieren, wummern Soundeffekte auf der Tonspur, und die Schockeffekte werden immer extremer, als ob die Stärke des Thrills sich proportional zur Menge des gezeigten Blutes steigern ließe. Daß gerade im Horror- und Gruselfilm weniger mehr ist, haben jüngst The Blair Witch Project und The Sixth Sense bewiesen, und wer sich in »lebenden« Häusern gruseln will, sollte noch einmal auf Lars von Triers Hospital der Geister zurückgreifen. Denn alles, was House On Haunted Hill zu bieten hat, war schon mehrfach zu sehen. Und leider jedes Mal besser. 1970-01-01 01:00

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