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Hotel Ruanda

Hotel Rwanda. GB/ZA/I 2004. R,B: Terry George. B: Keir Pearson. K: Robert Fraisse. S: Naomi Geraghty. M: Andrea Guerra. P: Kigali Releasing, Industrial Development Corp., Inside Track Films u.a. D: Don Cheadle, Sophie Okonedo, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Desmond Dube u.a.
121 Min. Tobis ab 7.4.05

Land unter

Von Frank Brenner Nachrichten über afrikanische Länder haben hierzulande einen nur sehr geringen Nachrichtenwert. Seit Jahrzehnten schon tobt dort ohne Unterlaß eine Vielzahl von Kriegen, über deren Verlauf die westlichen Länder die Augen verschließen. Selbst als 1994 in Ruanda der Bürgerkrieg eskalierte und schließlich fast eine Million Opfer forderte, dauerte es überdurchschnittlich lange, bis man davon in den Medien erfuhr. Der vielfach prämierte Film Hotel Ruanda von Terry George widmet sich nun dankenswerterweise diesem dunklen Kapitel der jüngeren afrikanischen Geschichte und stellt den exemplarischen Mut einer Einzelperson dramaturgisch geschickt ins Zentrum.

Wie schon in Steven Spielbergs Schindlers Liste verdanken auch hier dem Einsatz eines engagierten und humanistischen Mannes rund 1200 Menschen ihr Leben. Paul Rusesabagina, der Manager des Vier-Sterne-Hotels »Des Mille Collines«, gehört den Hutus an, die auch die Regierung stellen, während sich im Volk eine Rebellion der Tutsi anbahnt. Diese beiden Kasten waren Jahrzehnte zuvor von den damaligen belgischen Kolonialherren vollkommen willkürlich eingeführt worden und hatten sich auch noch nach deren Abzug in der Bevölkerung gehalten. Kurz nach der Bekanntgabe von Friedensverhandlungen wird der Hutu-Premierminister allerdings ermordet, was dazu führt, daß die verbleibende Hutu-Militärmacht die Tutsi dafür verantwortlich macht und einen radikalen Völkermord in Gang setzt, der sich natürlich ebenso willkürlich wie die einstige Einteilung nun auch durch sämtliche Gesellschaftsschichten zieht. Pauls Frau Tatiana ist Tutsi, weswegen er die radikalen Ansichten anderer Hutus keineswegs teilt und zum Retter vieler Flüchtlinge wird, die er trotz großer Gefahr für sein eigenes Leben und das seiner Familie im Hotel aufnimmt und so weit es geht vor den Übergriffen der Militärs beschützt.

Terry George zeigt uns in bewegenden Bildern die Greuel der Massaker, die 1994 in Ruanda fernab der Weltöffentlichkeit stattfanden. Natürlich möchte er schocken, uns wachrütteln und uns vor Augen führen, welche unmenschlichen Zustände auch heutzutage noch trotz weltumspannender medialer Berichterstattung möglich sind. Aber er tut dies auch, um uns in der Hoffnung zu bestärken, daß selbst das couragierte und beherzte Vorgehen eines Einzelnen viel bewirken kann. Don Cheadle setzt in seiner Rolle als Paul Rusesabagina ähnlich beeindruckend Akzente, wie es seinerzeit Liam Neeson in Schindlers Liste gelang. Es ist dem talentierten Schauspieler zu wünschen, daß sich seine Karriere nun ähnlich wie die Neesons aus dem Schattendasein profilierter Nebenrollen herausbewegt und Cheadle im Hollywoodkino bald als zweiter Denzel Washington Starstatus genießen darf. 1970-01-01 01:00

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