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Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis

Hot Fuzz. GB 2007. R,B: Edgar Wright. B: Simon Pegg. K: Jess Hall. S: Chris Dickens. M: David Arnold. P: Big Talk Productions, Studio Canal, Working Title Films. D: Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent, Timothy Dalton u.a.
121 Min. Universal ab 14.6.07

Letale Deppen

Von Thomas Warnecke Es gehört ja zum guten Ton, sozusagen zur filmkennerschaftlichen Grundausstattung, sich über deutsche Verleihtitel zu mokieren, insbesondere bei Filmtiteln aus dem angelsächsischen Sprachraum. Dabei gibt es da à la longue durchaus Fortschritte zu verzeichnen – abgesehen von zahlreichen unverändert übernommenen Titeln wird auch immer häufiger der Originaltitel soweit unangetastet gelassen, als daß ihm nur ein deutscher Zusatz angehängt wird – der vorliegende Film hätte zu Rainer Brandts Zeiten nur »Zwei abgewichste Profis« geheißen.

»Fuzz« ist ein amerikanischer Slangausdruck für einen Polizisten, wie jeder weiß. Der wird quasi vom zweiten der beiden Profis ins Spiel gebracht, der aus dem Cop- ein Buddy-Movie macht: Nick Frost gibt den tumben Tor, der dem zu erfolgreichen und deshalb strafversetzten Streberbullen an die Seite gesetzt wird und dessen mutmaßlich aufregende Londoner Vergangenheit mit seinen Hollywood-Kenntnissen abgleicht: »Hast du schon mal im Sprung geschossen?« – »Mit zwei Pistolen gleichzeitig?« usw. »Abgewichst« ist nämlich nur der erste der beiden Profis: der selbstverständlich völlig ironiefreie Held Nicholas Angel, den Simon Pegg genau so spielt. Dagegen ist Frosts Charakter ein Wichser im übertragenen Sinne, als eine Art Scharnier zwischen Filmhandlung und anvisierter Zielgruppe: Innerhalb der Handlung der treudoofe Klotz am Bein, ist er als füllige Inkarnation der Couch-Potato zugleich Identifikationsfigur aller Filmspacken, die im Filmgeschehen die permanenten Anspielungen auf vor allem jüngere Klassiker des Genres wie Die Hard oder die Filme Michael Bays und Jerry Bruckheimers erkennen und sich am zahlreich hingeworfenem Futter (Cate Blanchetts Cameo, eine herumliegende Shaun of the Dead-DVD) delektieren.

Das Bruckheimer-Kino hat auch ästhetisch das Vorbild geliefert: Die Szenerie ist eher dunkel gehalten; in den übersättigten Farben ist die Location – ein typisches britisches Krimi-Dorf mit vornehmlich älteren oder alternden Einwohnern – eine düstere Variante der harmlosen Insel-Idyllen à la Rosamunde Pilcher. Allerdings wird weniger der Look parodiert als vielmehr Handlungs- und Typenschemen persifliert. Einerseits ist die Handlung bei einem solchen Film natürlich ziemlich unwichtig – in einem unterbelichteten Gewitter der visuellen Attraktionen à la Bruckheimer geht der Überblick ohnehin irgendwann verloren – andererseits scheint Hot Fuzz sich nicht dazu durchringen zu können, eine reine Nummernrevue aus persiflierenden Gags zu sein, wie etwa die Naked Gun-Filme, weshalb er trotz aller Übertreibungen etwa in der kürzelhaften Einführung des Helden lange wie ein »echter« Polizeifilm aussieht und sich vielleicht ein bißchen zuviel Mühe gibt, mit Vater-Sohn-Plot und Mystery-Elementen so etwas wie Stringenz in das Geschehen zu bringen. Geschmacklich grenzwertig (was für ein solches Unternehmen spricht), versuchen Edgar Wright und Co-Autor Pegg nach Shaun of the Dead auch diesmal wieder, die Schrauben etwas fester zu drehen. Es gibt eine geradezu erfrischende Fülle von Gewaltexplosionen, bei denen dann auch schon mal einer älteren Dame in die Fresse getreten werden muß, die entsprechend der Handlung in ein absurd-blutiges Showdown-Spektakel mit einer von einem Modellbau-Kirchturm durchbohrten Mundhöhle wörtlich münden. Im tölpelhaften Sidekick parodiert sich die Parodie gleich selbst; und der naive Held muß sich mit dem sentimentalen Dicken zusammentun, um erlöst zu werden. Alles in allem also mehr als ein Film für Wichser. 1970-01-01 01:00
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