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Hostel

USA 2005. R,B: Eli Roth. K: Milan Chadima. S: George Folsey jr. M: Nathan Barr. P: Next Entertainment. D: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson u.a.
93 Min. Sony ab 27.4.06

Nicht einmal Halbpension

Von Andreas Resch In einem Interview hat Hostel-Regisseur Eli Roth seine Freude darüber bekundet, daß sich ein Premieren-Gast nach dem Genuß seines Films im Foyer des Kinos übergeben hat. Er betrachte solch extreme Reaktion als Kompliment. Gut, daß er den Mann nicht nach dem Warum gefragt hat. Denn in Hostel wird zwar mit beinahe allem gequält, was die Filmgeschichte hergibt, es werden Zehen amputiert, Bäuche aufgeschlitzt und Augen ausgestochen. Das Ganze überschreitet dabei allerdings allzu oft die Grenze zur unfreiwilligen Komik.

Die Rucksacktouristen Josh, Paxton und Oli, die in Amsterdam fröhlich kiffen, saufen und rumhuren, bekommen den Tip, den besten Sex der Welt könne man in einem abgelegenen slowakischen Hostel finden. Dort seien die Frauen nicht nur extrem attraktiv, sondern auch äußerst willig. Zudem herrsche »wegen des Krieges« akuter Frauenüberschuß. Welcher Krieg? Werden hier vielleicht ein paar osteuropäische Länder durcheinandergebracht? Macht ja nichts. Im vermeintlichen Sexparadies angekommen, ahnen die drei nicht, daß sie für eine Art Folter-Bordell geködert wurden, in dem reiche Perverse aus aller Welt Menschen quälen. Und so verschwindet erst Oli, kurze Zeit später Josh. Der verbliebene Paxton ist ein derartig nerviger Schnösel, daß es einem ziemlich egal ist, was in den restlichen knapp 45 Filmminuten mit ihm geschieht. Als er seinen Peiniger mit den Worten »Wenn du mich tötest, wird das dein Leben zerstören« um Gnade anfleht, wünscht man sich, dieser möge keine Skrupel kennen.

Dabei können unsympathische Helden durchaus den Unterhaltungswert eines Horrorfilms steigern. Man denke nur an den gleichermaßen sexistischen wie chauvinistischen Proleten Ash aus der Evil Dead-Trilogie. Wären die Figuren in Hostel bewußt überzeichnet, so daß klar wäre: Das ist nicht ernst gemeint – es hätte ein passabler Film entstehen können. So jedoch ist der – immerhin von Quentin Tarantino produzierte – Film am Ende doch nur eins: ein Mahnmal dafür, wie man einen Horrorfilm nicht machen sollte. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #42.
© 2012, Schnitt Online

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