— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

The Host

ROK 2006. R,B: Bong Joon-ho. B: Baek Chul-hyan. K: Kim Hyung-goo. S: Kim Sun-Min. M: Lee Byung-woo. P: Cheongeoram, Cineklick Asia. D: Byun Hee-bong, Song Kann-ho, Park Hae-il u.a.
119 Min. MFA ab 15.3.07

Der Grüne Punkt

Von Carsten Happe Im Han River vor den Toren Seouls treibt ein überdimensionaler Monsterfisch sein Unwesen. Ausgelöst durch die achtlose amerikanische Giftmüllentsorgung vor der Küste Koreas – soviel Seitenhieb muß sein – macht die amphibische Mutation nun Jagd auf jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Doch mit dem furchtlosen Einsatz einer chaotischen Kleinfamilie hat sie nicht gerechnet.

Wenn sich die komplette Handlung eines Films in drei Sätzen wiedergeben läßt, spielt entweder Adam Sandler die Hauptrolle oder ein charmant-schlichtes Horror-B-Movie schleicht sich heran – das allerdings in seinem Heimatland alle Zuschauerrekorde pulverisiert hat und nicht zuletzt dadurch einen genaueren Blick rechtfertigt. The Host ist sich aller Klischees des Monsterfilms bewußt und erliegt klugerweise nicht der Versuchung, sie allesamt ironisch zu brechen – daran sind schon ganz andere Filme gescheitert. Regisseur Bong Joon-ho versucht dagegen einen anderen Spagat: Er vermischt den klassischen Horrorstoff, dessen Tradition mindestens bis zum Ur-Gojira zurückreicht, mit Elementen der Slapstickkomödie und Versatzstücken des Familiendramas. Die Verschleppung der kleinen Tochter durch das Monster wird dabei in erster Linie zum Symbol für den Riß durch die familiären Beziehungen der Protagonisten, bevor die Rettungsmission – etwas zu hollywoodlike – an die vertrauten Werte gemahnt.

The Host ist ein Genrezwitter, wenn nicht noch gespaltener. Das ist seine Chance im Vergleich zur Masse an Horror-B-Movies, die die Videotheken vollstauben, aber auch sein Problem: Die Slapstickeinlagen degradieren die (Anti-)Helden zu Idioten und schaffen eine Distanz, die das Bangen und Mitfiebern verhindert. Der Horror- und Actionanteil wird in der zweiten Hälfte enorm gedrosselt, so daß auch die Genrefans unruhig im Sessel herumrutschen dürften, bevor im Showdown alles noch einmal hervorgekramt und das Biest würdig zur Strecke gebracht wird.

Vielleicht ist mit dem Titel auch der Film selbst gemeint, der sich wie ein Parasit auf ihm eigentlich fremde Genres stürzt und letztlich wieder abgestoßen wird. Solange er sich aber in seinen ureigenen Gewässern tummelt – speziell in den ersten zwanzig Minuten – ist er ein höchst unterhaltsamer Bastard mit geschmeidigen Monsteranimationen und respektlosen Ideen. Wenn sich im unvermeidlichen Sequel noch einige dramaturgische Stolpersteine ausräumen lassen, darf der Mutant gerne wieder auftauchen, an Giftmüllnachschub sollte es nicht mangeln. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap