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Honolulu

D 1999. R,B: Uschi Ferstl, Florian Gallenberger, Saskia Jell, Vanessa Jopp, Matthias Lehmann, Beryl Schennen, Sandra Shmidt-Podmore. K: Tomas Erhart. S: Barbara von Weitershausen. P: Odeon Film. D: Julia Hummer, Markus Knüffken, Jochen Nickel, Aleksandar Jovanovich, Daniel Brühl u.a.
85 Min. Odeon ab 19.07.01
Von Sascha Seiler Diese Menschen wollen flüchten. Flüchten in ein Leben fernab ihres grauen Alltags, vor ihren Mitmenschen und den damit verbundenen Verpflichtungen. Daß diese Flucht lediglich ein Traum ist, den es sich gegen alle Widerstände dennoch zu träumen lohnt, will uns diese Gemeinschaftsproduktion von sieben Absolventen der Münchner Filmhochschule zeigen, an dem auch bekanntere Namen wie Matthias Lehmann, der im letzten Jahr den genialen Doppelpack inszenierte, oder Oscar-Gewinner Florian Gallenberger beteiligt waren.

Das anvisierte Ziel, einen Film zu machen, der in kurzen Einzelepisoden eine stringente Geschichte über die Einsamkeit und die Liebesleiden mehrerer Figuren erzählt, ist zwar nicht erreicht worden – zu unterschiedlich ist die Qualität der Inszenierungen – doch sind einzelne Geschichten in diesem Film einfache, aber wunderschöne Miniaturen aus dem Alltag von Menschen, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben.

Wenn zum Beispiel in der von Vergiß Amerika- Regisseurin Vanessa Jopp inszenierten Episode der junge Nachtwächter Marek, dessen Versuche, eine Frau zu verführen, so unbeholfen wirken, daß man die Peinlichkeit am eigenen Leibe zu spüren beginnt, kurz nach seinem Triumph den Tod seines geliebten Zierfisches betrauern muß, ist der Zuschauer trotz der Banalität des Gezeigten seltsam gerührt.

Julia Hummer wiederholt nach ihrer bravourösen Leistung in Die Innere Sicherheit die intensive Darstellung eines heranwachsenden Mädchens in der von Uschi Felstl gedrehten Geschichte über einen von ihrem Freund verlassenen Teenager, der durch einen Sprung vom Zehnmeterbrett seine Ängste besiegen möchte. Und auch Markus Knüffken brilliert als entflohener Irrer, der sich in eine Frau verliebt, die eigentlich auf dem Weg zu einer Blind Date-Hochzeit ist.

Natürlich ist Honolulu ein fast banaler kleiner Film, der von plattgewalzter Symbolik nur so strotzt, aber seine Schönheit könnte sich auf einer komplexeren Ebene sicherlich in diesem Maße entfalten. Und am Ende geben die zwei als Pausenclowns konzipierten und von Matthias Lehmann in bester DoppelPack-Manier in Szene gesetzten Betrunkenen, die den letzten Bus verpaßt haben und die ganze Nacht über Frauen und Bier philosophieren, die anvisierte Message des Films preis: Auf alten Pfannen lernt man braten. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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