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Die Hollywood-Verschwörung

Hollywoodland. USA 2006. R: Allen Coulter. B: Paul Bernbaum. K: Jonathan Freeman. S: Michael Berenbaum. M: Marcelo Zarvos. P: Focus. D: Adrien Brody, Ben Affleck, Diane Lane u.a.
126 Min. Buena Vista ab 15.2.07

Feelgood Noir

Von Dietrich Brüggemann Kennen Sie eigentlich jemanden, der ein gutes Namensgedächtnis hat? Ich nicht. Ich selber vergesse ständig sämtliche Namen, und um mich herum geht es allen anderen genauso. Im Kino ist es noch viel schlimmer, denn da werden einem in wenigen Minuten zehn Leute vorgestellt, und man kann sie nicht nochmal fragen, wenn man ihre Namen mal wieder vergessen hat. Und das ist ein Problem in Filmen, in denen viel von Abwesenden geredet wird.

Die Hollywood-Verschwörung handelt von einem Fall, der sich einmal wirklich zugetragen hat: 1959 starb der TV-Superman-Darsteller George Reeves durch eine Kugel. Bis heute weiß niemand so genau, ob es Selbstmord war. Die Mutter des Verstorbenen beauftragt einen Privatdetektiv, den Fall aufzuklären, der steigt immer tiefer hinab in einen undurchsichtigen Sumpf, kriegt ganz nach Art des Genres übel auf die Fresse und weiß am Ende auch nicht so genau, was los ist mit ihm selber und generell.

Regisseur Allen Coulter, der hier nach diversen TV-Serien sein Kinodebüt gibt, lehnt sich klar an einige große Vorbilder an, allen voran L.A. Confidential, doch hier liegen die Gewichte anders. Es geht eher um Style als um menschliche Abgründe. Natürlich schaut der Film hinter den Glamour Hollywoods, doch was er dahinter sieht, ist Glamour zweiten Grades. Die Autos glänzen tiefschwarz, die Farben sind satt und geschmackvoll, die Kleider zeitlos, die Menschen schön und selbst die Bösewichte modellhaft. Adrien Brody als Privatdetektiv ist wie immer hinreißend, und Ben Affleck in der Rolle des tragischen Mannes war noch nie so gut, falls er überhaupt schon mal gut war. Das Ganze ergibt durchaus einen gediegenen Film, gegen den man nicht viel sagen kann, außer das eingangs bereits Erwähnte: Es ist ziemlich schwierig, auf der Höhe der Handlung zu bleiben. Wer war der, der mit dem, war sie dieselbe wie die andere, und wer ist eigentlich der Typ, von dem sie die ganze Zeit reden? Es ist das grundlegende Problem eines Genres, das vielleicht gar nicht so filmisch ist, wie man gemeinhin denkt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
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