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Die Hochzeits-Crasher

Wedding Crashers. USA 2005. R: David Dobkin. B: Steve Faber, Bob Fisher. K: Julio Macat. S: Mark Livolsi. M: Rolfe Kent. P: New Line Cinema, Tapestry Films. D: Owen Wilson, Vince Vaughn, Christopher Walken, Rachel McAdams u.a.
119 Min. Warner ab 14.7.05

Duo inmariable

Von Patrick Hilpisch Das populäre Kino hat sich vor allem in den letzten Jahren immer wieder dem als »schönsten Tag im Leben eines jeden Menschen« apostrophierten Ereignis angenommen: der Heirat. Titel wie Four Weddings and a Funeral, My Best Friend's Wedding, The Wedding Singer, The Wedding Planner oder My Big Fat Greek Wedding sprechen da für sich. Das enorme emotionale Potential, das der »Bund fürs Leben« vor allem für die Schar der weiblichen Kinogänger besitzt, spielt hier inszenatorisch und vor allem vermarktungstechnisch eine entscheidende Rolle. Der Genrerahmen einer meist beschwingten romantischen Komödie mit einer an der Kinokasse erworbenen »Happy-Ending-Garantie« ist dabei ebenso wichtig wie die Wahl der agierenden Schauspieler. Weiblicher Romantikanspruch und Wunschprojektion vereinen sich zu einem kassenträchtigen Gemisch aus Spitze, Tränen und »Happy-Ever-After«-Szenarien.

In Die Hochzeits-Crasher macht Regisseur David Dobkin diese feminine Prädisposition zur rein affektiven Handlungsfähigkeit in punkto Hochzeit zum zentralen Plot-Aufhänger. Die beiden Scheidungsschlichter John und Jeremy schmuggeln sich uneingeladen auf Hochzeitsgesellschaften ein, um dort Frauen aufzureißen, die durch die hochzeitliche Atmosphäre für Flirts äußerst empfänglich sind. Durch ihren Charme und jahrelange Routine gelingt es den zwei überzeugten Singles stets, sich fast schon organisch in die unterschiedlichsten familiären Hintergründe einzufügen, das Vertrauen der Anverwandten zu gewinnen und eine »empfängliche« Dame in ihrem Bett zu empfangen.

Zur Veranschaulichung der eintrainierten Kniffe und Tricks der »Eindringlinge« nutzt Dobkin unter anderem eine rasante, sich rhythmisch zuspitzende Parallelmontage, die in einer postkoitalen Erschöpfungssequenz seiner Hauptfiguren kulminiert. Daß die beiden Protagonisten dabei nicht die Gunst des Zuschauers verlieren und als Unsympathen gebranntmarkt werden, verdankt sich der leichtfüßigen Inszenierung und der einzigartigen Dynamik zwischen den Hauptdarstellern Vaughn und Wilson, die sich als das wahre Traumpaar des Filmes erweisen. Denn Die Hochzeits-Crasher ist nicht nur ein Film über die große Liebe und das große Versprechen zwischen Mann und Frau, sondern gleichzeitig ein anrührendes Stück Männerfreundschaft, ein Buddy-Movie wie man ihn seit Bud Spencer und Terence Hill selten gesehen hat.

Natürlich wird dem Treiben der beiden ein jähes Ende gesetzt, als sich John in Claire, die Tochter eines einflußreichen Ministers, verliebt und Jeremy von deren nymphomanischer Schwester vereinnahmt wird. Ein Wochenende auf dem Familienanwesen führt zu zahlreichen Verwicklungen, Peinlichkeiten und (körperlichen) Verletzungen, eine nur teilweise verleumderische Intrige von Vorzeige-WASP Sack, Claires Ehemann in spe, inklusive.

Dobkin verliert sich in der zweiten Hälfte seines Films mehr und mehr im Klischeehaften und beendet ihn mit einer nahezu 180-Grad-Wandlung seiner Protagonisten, von aufreißenden Heiratsmuffeln zu potentiellen Traumgatten. Ein finales, hollywoodtypisches Eingeständnis an konservative Wertvorstellungen, das wohl manche der im Laufe der Story ausgebreiteten Geschmacklosigkeiten relativieren soll. Trotzdem gelingt es ihm, einen durchweg unterhaltsamen Film mit skurrilen Einfällen, deftigem Dialogwitz und einem unschlagbaren Leading-Duo zu inszenieren. 1970-01-01 01:00
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