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Hirtenreise ins dritte Jahrtausend

CH 2002. R,B,K,S: Erich Langjahr. M: Hans Kennel. P: Langjahr Film GmbH. D: Thomas Landis-Giacometti, Susanna Landis-Giacometti, Antonia Landis-Giacometti, Josa Landis-Giacometti, Selina Landis-Giacometti, Michel Cadenazzi, Bea Ammann u.a.
124 Min. Langjahr Film ab 27.11.03

Schafe Bilder

Von Frank Brenner Der schweizer Dokumentarfilmer Erich Langjahr hat sich bereits in seinen vorangegangenen Filmen Sennen-Ballade und Bauernkrieg mit den elementaren Fragen des Menschen und seiner Existenz auseinandergesetzt. Hirtenreise ins dritte Jahrtausend versteht der Filmemacher als abschließenden Teil einer Trilogie zu diesem Thema. Zusammen mit seinem Filmteam hat er zwei Hirtenfamilien über Monate hinweg bei ihrer Arbeit beobachtet und so ein eindringliches Porträt eines Berufes, ja einer Lebenseinstellung gezeichnet, die in unserer heutigen Gesellschaft immer seltener wird und zu der man im Normalfall kaum einen direkten privaten Bezug haben wird. Wenn man sich mit Schäfern oder Hirten beschäftigt, stößt man als in einer Konsumgesellschaft aufgewachsener Mensch schnell auf eine Frage, die dem Protagonisten Thomas Landis dann auch bald von einer Radioreporterin gestellt wurde, während Langjahr seinen Film drehte. Ob ihm denn nie langweilig würde, wenn er so tagein tagaus keinen anderen Menschen trifft und mit rund 400 Schafen von Weideplatz zu Weideplatz zieht und selbst bei bitterster Kälte im Zelt übernachtet. Landis fällt nicht gleich eine passende Antwort ein. Er flüchtet sich in die Bemerkung, daß er manchmal schon gern weiterziehen würde, wenn es ihm zu kalt wird, die Schafe aber noch weiterhin weiden wollen.

Langjahr gelingt es, die überaus ruhige, mitunter tatsächlich ziemlich monotone Lebensweise in adäquaten Bildern einzufangen, die Geduld des Zuschauers dabei gelegentlich auf die Probe zu stellen, aber trotzdem die vielseitigen Tätigkeiten der Hirten auf informative Weise zu dokumentieren. Landis wurde die Aufgabe, über die Wintermonate von November bis März jene 400 Schafe zu hüten, von deren Besitzer übertragen, da diesen Landis' Gehalt billiger kommt als die viermonatige Versorgung der Tiere mit gekauftem Futter. In den Sommermonaten kümmert sich Landis dann zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern um die eigenen Tiere – Schafe, Ziegen, Esel, Hühner und Schweine. In den wenigen Regiekommentaren erfahren wir, daß der Hirte keineswegs aus einer Bauernfamilie stammt, sein Lebensweg also nicht deswegen vorbestimmt war. Er hat vielmehr zunächst als Elektriker gearbeitet und sich dann aufgrund seines Interesses für den beschwerlichen und ungewöhnlichen Werdegang entschieden. In solchen Momenten wünscht man sich dann schon einmal, daß Langjahr weiter nachfragen würde, damit man mehr über die Beweggründe und Weltanschauung des Tierhüters erfährt.

Durch Langjahrs Dokumentation wird dem Zuschauer eindringlich vor Augen geführt, wie die Menschen vor noch nicht allzu langer Zeit in viel größerer Zahl gelebt haben, und man entwickelt einen großen Respekt für diejenigen, die es auch in der heutigen Zeit noch freiwillig tun. 1970-01-01 01:00
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