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Der Himmel kann warten

D 2000. R,B: Brigitte Müller. K: Tom Fährmann. S: Biljana Grafwallner-Brezovska, Judith Futár-Klahn. M: Rainer Oleak. P: SamFilm. D: Frank Giering, Steffen Wink, Catherine Flemming, Jürgen Schornagel, Regula Grauwiller u.a.
98 Min. Buena Vista ab 21.12.00
Von Frank Brenner Deutsche Filmemacher haben sich im Komödiengenre selten mit Ruhm bekleckert. Was man da so als lustig bezeichnet, kann einem schon mitunter die Tränen in die Augen treiben, und häufig sind das dann keine Freudentränen. Am besten funktioniert zur Zeit hierzulande Humor, der unter dem neudeutschen Begriff Comedy gefaßt wird. In der Tradition amerikanischer Stand-Up-Comedians stellen sich nunmehr auch teutonische Witzeexperten mit ihren Soloprogrammen dem kritischen Livepublikum – und haben einschlagenden Erfolg damit.

Brigitte Müller hat um den Talentwettbewerb in einer Kölner Szenekneipe, bei dem der Sieger mit einer eigenen Fernsehshow belohnt werden soll, die Handlung ihres Regiedebüts gesponnen. Doch Komik allein war ihr nicht genug. Eine Tragikomödie sollte es werden, bei der es um tödliche Krankheiten, wahre Freundschaften und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geht. Humor ist eben eine ernste Sache. Daß dabei keine deutsche Variante von Martin Scorseses The King of Comedy herausgekommen ist, liegt wohl in erster Linie mal wieder am deutschen Heiterkeitsverständnis.

Müllers Hauptaugenmerk ist auf den tragischen Teil der Story gerichtet. So drückt sie denn auch in einem kaum mehr vertretbaren Rahmen auf die Tränendrüse. Humor, der als ausgleichendes Element so bitter benötigt wird, ist fast ausschließlich in den Stand-Up-Auftritten präsent – und fällt dort unter Radau auf die Nase. Das Ansinnen, eine Geschichte über eine echte Freundschaft zu erzählen, ist indes durchaus löblich. Die Dialoge kommen aber derart bedeutungsschwanger daher, daß es allzu schnell lächerlich und vorhersehbar wird. Jeder Satz sollte wohl tiefe Lebensweisheiten vermitteln, enthält jedoch nur schön erdachte Worthülsen. Da weißt z.B. Catherine Flemming ihren machohaften Verehrer Steffen Wink mit den Worten »Gib's auf Paul … Ich gehör nicht zu den Frauen, die glatt genug sind, daß du dich in ihnen spiegeln kannst« in seine Schranken.

Schade ist das schon, daß ein netter Versuch deshalb auf weite Strecken gescheitert ist. Denn der tragischste Charakter in Der Himmel kann warten wird von dem grandiosen Frank Giering verkörpert. Sein Alex Feldkamp ist ein von Krankheit gezeichneter und um Anerkennung und Liebe bemühter Außenseiter, der dem Zuschauer leid tun kann und in seiner Funktion als Komiker mit beruflichem Erfolg und privaten Niederlagen in der Tradition großer tragikomischer Figuren steht. Giering stellt in dieser Rolle erneut seine enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis, die er trotz pausenloser Filmengagements mit erstaunlicher Souveränität und Professionalität aufrechterhalten kann. Wie schade, daß die Tragik Alex Feldkamps selbst in der Schlußsequenz durch den mißlungenen Humor – in diesem Fall ein uralter Harald-Schmidt-Witz – getrübt wird. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
© 2012, Schnitt Online

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