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Hilfe! Ich bin ein Fisch

D 2000. R: Michael Hegner, Stefan Fjeldmark. B: Stefan Fjeldmark, Karsten Kiilerich, John Stefan Olsen. M: Sören Hyldgaard. P: Munich Animation.
Kinowelt ab 12.4.01
Von Matthias Grimm Wie beruhigend ist es doch, die Krone der Schöpfung zu sein, die Intelligenz zu haben und damit das Privileg, sich die Natur Untertan machen zu dürfen. Gleichheit ist ein nicht-existentes Ideal, Hierarchie die biologische Normalität. Wer den Kopf hat, hat die Macht, die dumme Gewalt ist Exekutive, die exekutiert. Diktatur ist Befreiung. Eine streng vertikale Gesellschaftsstruktur ist Ausbruch aus der Nahrungskette, aus standardisierten Lebenszyklen.

Der Apfel vom Baum der Erkenntnis war für uns Menschen der Weg hinaus aus dieser Kette, hinein in die Zivilisation. Hilfe! Ich bin ein Fisch gibt dem maritimen Biotop eben diese Möglichkeit, evolutionäre Fesseln zu sprengen, Missing Links zu überspringen und Zivilisation zu erlangen. Der Apfel entspricht in diesem Fall einem »Entfischungstrank«, dem Antidot zum »Verfischungstrank«, der drei Kinder in Fische verwandelt hat und die nun mit der Aufgabe konfrontiert sind, normale Strukturen wiederherzustellen.

Daß der Exodus aus dem Paradies dabei nicht mit der Evolution von Fortschritt, reflexiver Kompetenz oder Humanität verbunden ist, sondern letztendlich nur Machtakquisition bedeutet, kann als Sujet des Films interpretiert werden. Ebenso die Entthronisierung des Zaren durch den obligatorischen Dolchstoß. Daß Philosophen Könige sein sollten, sagte nicht nur Platon, sondern auch Hilfe! Ich bin ein Fisch. Vorher ist frei nach Thomas Hobbes der Mensch des Menschen Wolf, beziehungsweise der Hai des Haien Hai. Am Ende siegt die Intelligenz über Größenwahn, der selbstinduzierte Golem über sein Alter Ego.

All das sagt der Film, aber eigentlich doch nicht, stattdessen eher, daß Freundschaft ganz wichtig ist – ist doch auch nicht schlecht. Technisch kann die deutsche Zeichentrickproduktion durch aufwendige Computereffekte mit amerikanischen Konkurrenten mithalten, ist aber ansonsten schrecklich uninteressant. Wer sich den Film trotzdem anschaut, kann bestenfalls hoffen, daß der Trailer zum neuen Disney-Film im Vorprogramm läuft. Immerhin: Der gute Wille war da. 1970-01-01 01:00
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