— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

High Fidelity

High Fidelity. USA 2000. R: Stephen Frears. B: John Cusack, D.V. DeVincentis, Steve Pink, Scott Rosenberg. K: Seamus McGarvey. S: Mick Audsley. M: Howard Shore. P: Working Title/New Crime. D: John Cusack, Iben Hjejle, Todd Louiso, Jack Black, Lisa Bonet, Catherine Zeta-Jones u.a.
114 Min. Buena Vista ab 12.7.00

Collector’s Edition

Von Carsten Happe Die Distanz zwischen England und Amerika, die sich immer wieder vor allem in der Musik zu manifestieren scheint – man denke an britische Bands wie »Oasis« oder »Blur«, die in den USA kaum einen Fuß auf den Boden bekommen – eliminiert dieser Film auf geradezu magische Weise. War der Schauplatz von Nick Hornbys Romanvorlage noch ein schäbiges Viertel im Norden Londons – kaum eine andere Umgebung schien für die liebenswerten Loser vorstellbar – spielt Stephen Frears' Adaption nun in Chicago. Grund zur Sorge eigentlich, daß ein weiterer kauziger europäischer Bestseller auf All-American-Mittelmaß zurechtgestutzt wurde.

Diese Befürchtung erweist sich aber Gott sei Dank als unberechtigt: Der Charme der Vorlage und sein trockener, vermeintlich typisch britischer Humor bleiben vollständig erhalten, und die lebendige Clubszene Chicagos bildet einen ebenso attraktiven Hintergrund. Primär sind es jedoch die wunderbar authentischen Charaktere, die den Reiz sowohl des Buchs als auch der Verfilmung ausmachen.

Im Mittelpunkt steht der von John Cusack verkörperte Rob Gordon, um die dreißig und Besitzer eines kleinen Plattenladens namens »Championship Vinyl« – immerhin der fünfte Platz seiner »top five dream jobs«. Sein Ehrgeiz als DJ hat ihn allerdings schon lange verlassen, seine Freundin Laura zu Beginn des Films auch. Zeit also, die Plattensammlung mal wieder neu zu sortieren und alle gescheiterten Beziehungen aufzuarbeiten. Zwischen Bettlaken und Babywunsch, »Belle & Sebastian« und der »Beta Band« entspinnt sich nun ein Reigen, der doch so universell anmutet, daß sich auch die hiesige »Generation Golf« problemlos wiedererkennt.

Die bisweilen aufkeimende Beliebigkeit wird aber immer wieder durch die entwaffnenden Dialoge aufgefangen, die Cusack – mit seinen ehemaligen Schulfreunden Pink und DeVincentis – sich und seinen Schauspielkollegen in den Mund legte. Das hervorragende Ensemble macht den Film dann auch vollends zum Vergnügen; insbesondere Tim Robbins ist die Freude anzusehen, aus seinem bisherigen Rollenspektrum einmal gründlich auszubrechen.

Frears gelang zudem das Kunststück, einen Musikfilm zu drehen, dessen Soundtrack sich in keiner Weise aufdrängt. Auch wenn der »Boss« Bruce Springsteen in einem kurzen Cameo auftaucht, eine neue Hitsingle haben er und der Film zum Glück nicht zu bieten. Es sind vielmehr Kleinode aus den 60ern und 70ern zu hören, Seltenes von »Velvet Underground« oder »Love«; Liebhaberstücke eben.

In seiner nonlinearen Erzählweise erinnert High Fidelity bisweilen stark an die ebenso erfrischende Romanze Martha trifft Frank, Daniel und Laurence; neben dem ausgefeilten Skript verfügen beide Filme mit Iben Hjejle respektive Monica Potter außerdem über eine Hauptdarstellerin, deren Leichtigkeit und Charme im deutschen Film etwa kaum zu finden sind. Übrigens, auf Platz vier von Robs »top five dream jobs« befindet sich »film director – except German or silent«… 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap