Von Ralf Möller
Ally Sheedy ist wieder da. »Ally wer?«, wird sich der eine oder andere fragen. Wer jedoch in den 80er Jahren im Kino groß geworden ist, wird sie kennen, einen der Stars des sogenannten Brat Packs, der mit Filmen wie
Wargames,
The Breakfast Club und
St. Elmo's Fire berühmt wurde. Doch wie so viele andere Jungstars dieser Zeit, als Beispiele seien hier nur Rob Lowe und Molly Ringwald genannt, ist auch sie in Vergessenheit geraten.
Eigentlich hat Ally Sheedy seit
Only the Lonely, Chris Columbus' sentimentaler 90er Jahre Version von
Marty, keinen großen Film mehr gedreht. Nun gelingt ihr mit
High Art ein künstlerisches Comeback in der Größenordnung John Travoltas mit
Pulp Fiction. Auf diesen Film und diese Rolle, so scheint es, hat sie ihre ganze Karriere gewartet. Sie paßt zur Figur und füllt sie beeindruckend aus. Wer will, kann in dem Part der wieder entdeckten Fotokünstlerin Lucy auch ein Spiegelbild ihrer eigenen Karriere sehen.
Fast ein Jahrzehnt vergessen und dann dank der Regiedebütantin Lisa Cholodenko zurück auf die Leinwand geholt. Doch der jungen Filmemacherin ist darüber hinaus ein ungewöhnlich stilvoller Film gelungen. Fast jede Einstellung ist ein Kunstwerk für sich. Besonders beeindruckend in der Liebesszene zwischen Ally Sheedy und Radha Mitchell, in der sie wunderbare Bilder findet, ohne dadurch die Situation und die Emotionen der Szene zu reduzieren.
Musikalisch untermalt den Film die amerikanische Avantgarde-Popband Shutter to Think, deren Soundtrack sich exzellent an die Bilder paßt. Ungewöhnlich ist auch die Sicht auf den Gebrauch von Drogen: Selten wurde der Genuß von Heroin dermaßen romantisiert und glorifiziert wie in
High Art.
1970-01-01 01:00