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Hi-Lo Country

The Hi-Lo-Country. R: Stephen Frears. B: Walon Green. K: Oliver Stapleton. S: Masahiro Hirakubo. M: Carter Burwell. D: Woody Harrelson, Patricia Arquette, Billy Crudup, Sam Elliott u.a.
114 Min. PolyGram ab 15.4.99
Von Nikolaj Nikitin Die Verlockung, europäisches Filmgut und -erfahrung in uramerikanischen Geschichten zu verarbeiten, scheint sehr groß. Jüngstes Beispiel für diese Bestrebung ist Stephen Frears. In Hi-Lo Country erzählt er eine Geschichte der Cowboys – amerikanische »Ureinwohner« – ihrer Ängste und Sorgen, gesellschaftlicher Problematiken, der Veränderungen, die der Zweite Weltkrieg im besonderen bei der Landbevölkerung mit sich brachte.

Der zartbesaitete Pete schließt Freundschaft mit Big Boy (sein Name ist Programm). Der eine begehrt die laszive Schönheit Mona (hinreißend verführerisch: Patricia Arquette), der andere nimmt sie. Der eine ist besonnen und vernünftig, der andere impulsiv und lebemännisch – ein klassisches Buddy-Movie der etwas härteren Sorte. Beide sind bereit, für ihre Freundschaft zu sterben. Ein Genrewerk in der Tradition eines John Ford, schauspielerisch brillant, technisch perfekt und, was die Psyche der Amis angeht, so tiefgreifend, daß es einem fast unheimlich wird.

Fast so dramatisch wie die Story ist auch die Entstehungsgeschichte der Verfilmung von Max Evans' Roman. Bereits Meister Peckinpah versuchte sich an dem Stoff, es gelang ihm aber nicht. Erst Scorsese und die erfolgreichen britischen Produzenten von Working Title konnten zusammen mit Scriptwriter Walon Green (The Wild Bunch) ein funktionierendes Drehbuch entwickeln und den Film endlich realisieren – zwischendurch hatte es sogar Nebendarsteller James Gammon auf eigene Faust versucht.

Eine behutsame, immer kontrollierte, dabei frei beflügelte und sehr lebendige Kamera des langjährigen Frears-Wegbegleiters Stapleton, eine eindringliche Inszenierung und ein sehr detailverliebtes Dekor versetzen den Zuschauer direkt ins Herz von Hi-Lo Country. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.
© 2012, Schnitt Online

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