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Die Herzen der Männer

Le cœur des hommes. F 2003. R,B: Marc Esposito. K: Pascal Caubere. S: Benoît Alavoine. M: Beatrice Thiriet. P: PJP Films, France 2 Cinéma. D: Gérard Darmon, Jean-Pierre Darroussin, Bernard Campan, Marc Lavoine u.a.
Arsenal ab 25.3.04

Charmanter Wiederholungstäter

Von Jutta Klocke Eine menschliche Wand gegen das Schicksal: vier Männer, schon mittleren Alters, eingefroren in einem Bild, dessen Ruhe in der Einheit liegt, die diese vier nebeneinander stehend verkörpern. Eingefangen auf dem Balkon von einem von ihnen, der soeben vom Tod seines Vaters erfahren hat. So wie er hat auch jeder der drei anderen seine Probleme – Beziehungsschwierigkeiten, Ärger im Job, Familienstreit.

Es ist das alte Spiel der großen und kleinen Querelen des Lebens, das Autor und Regisseur Marc Esposito in seinem Spielfilmdebüt zum wer weiß wievielten Mal variiert. Dabei gibt er sich nicht mal die Mühe, bei der Wahl der Probleme seiner Figuren besonders erfinderisch zu sein. Das muß er auch nicht, denn sie bilden nur das Spielfeld, auf dem sich die Abwehrmauer der vier Körper immer wieder aufs Neue formieren kann. Mehrere Male unterbricht das Standbild der Freunde die Dynamik der übrigen Szenen mit ihren lebhaften Dialogen und der dominant eingesetzten, an die 80er Jahre-Komödien erinnernden Musik. Ein kluger Zug, weil der Sympathiewert einzelner Figuren so in den Hintergrund rückt und die Gruppe als solche zum Identifikationsobjekt wird. Da mag auch des öfteren der Blick in den Himmel über Paris schweifen und damit an den unaufhaltsamen Gang der Dinge gemahnen – die gleich zu Anfang demonstrierte Einheit bleibt als Fels in der Brandung bestehen.

Trotz aller zu bewältigenden Enttäuschungen bleibt Le cœur des hommes eine Komödie. Denn der Film wird nicht durch falsche Melodramatik niedergedrückt, sondern durch die fließende Inszenierung und das leichte Spiel der Darsteller getragen. Entstanden ist so ein auf seine durch und durch französische Weise doch allgemeingültiges Plädoyer für die Freundschaft, dem man auch so manche Platitüde in der Figuren- und Dialogkonzeption gern verzeiht. Was Herbert Ross' Steel Magnolias als überzuckerte weibliche US-Südstaaten-Variante vormachte, hat im schlichter gehaltenen Le coeur des hommes ein charmantes männlich-europäisches Pendant gefunden. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
© 2012, Schnitt Online

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