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Herbstgeschichte

Conte d`Automne. F 1998. R,B: Eric Rohmer. K: Diane Baratier. S: Mary Stephan. D: Marie Rivière, Béatrice Romand, Alain Libolt u.a.
110 Min. prokino ab 1.10.98
Von Marc Plückelmann Frühling, Winter, Sommer und jetzt der Herbst. Eric Rohmer erzählt, wovon die Franzosen eben gern erzählen: von Liebe und Freundschaft, von Menschen und all dem, was sich zwischen ihnen so abspielt, und er zeigt, daß Schwärmerei kein Privileg der Jugend ist. Die Weinernte naht für die Winzerin Magali. Ist sie auch zufrieden mit ihrem Dasein auf dem Landgut, fühlt sie sich doch einsam, seit ihre Kinder weggezogen sind. Also beschließen ihre Freundinnen: Ein Mann muß her.

Mit Herbstgeschichte vollendet Eric Rohmer seinen Vier-Jahreszeiten-Zyklus. Die Menschen in seiner Herbsterzählung haben die Vierzig erreicht oder überschritten, aber in ihren Sorgen und ihrem Umgang damit unterscheiden sie sich kaum von ihren Kindern. Oder von den jungen Leuten in Rohmers sonstigen Filmen. Es ist schon beruhigend und irgendwie süß, wenn Menschen, deren Jugend lange vorbei ist, sich in amourösen Dingen ebenso unbeholfen anstellen wie junge Pubertierende. Unbeschwert und scheinbar an der Hand führt Rohmer durch die Geschichte, begleitet seine Figuren zu ihren kleinen Alltäglichkeiten.

Still und unspektakulär zeigt er sie in der spätsommerlichen Provence zur Zeit der Weinlese, wo doch für Liebende kaum etwas schiefgehen kann. Wer sich bei französischen Filmen langweilt, dem sei tunlichst abgeraten von Eric Rohmer. Wem schon bei Woody Allen zu viel (und nur von Liebe) gefaselt wird, der kann auf Herbstgeschichte ebenso verzichten wie schon auf Frühling, Sommer oder Winter. Wer's jedoch ruhig und romantisch mag und wen all die guten Menschen nicht stören, der wird Herbstgeschichte mögen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
© 2012, Schnitt Online

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