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Hellboy

USA 2004. R,B: Guillermo Del Toro. K: Guillermo Navarro. S: Peter Amundson. M: Marco Beltrami. P: Revolution Studios, Columbia Pictures. D: Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Jeffrey Tambor, Karel Roden, Rupert Evans, Doug Jones u.a.
122 Min. Columbia ab 16.9.04

Die Hölle selbst

Von Frank Brenner Düstere Settings und unheilvolle Stories haben es ihm angetan: Guillermo Del Toro, der ein wenig aussieht wie eine Mischung aus Michael Moore und Peter Jackson, feierte 1997 mit dem Blockbuster Mimic seinen Einstand auf dem Hollywood-Boulevard. Schon in diesem fiesen Monsterschocker hatten es ihm die dunklen, feuchten Gänge eines U-Bahn-Systems angetan. In seiner lang erwarteten Comic-Verfilmung Hellboy kehrt er nun an die gleichen, finsteren Orte zurück. Die Metro bietet hier allerdings nur die Kulisse für einen der ersten Actionhöhepunkte, für seinen Showdown hat sich Del Toro eine viel gewaltigere Stätte ausgesucht, die in ihrem Design auch eher an die Computerwelten aus Jacksons »Ringe«-Trilogie erinnert.

Um dies zu erreichen, muß man schon die Hölle selbst bemühen. In einer trefflichen Analogie erzählt der Prolog des Films, wie die Nazis während des Zweiten Weltkriegs das Tor zu Satans Reich öffneten und finsteren Dämonen den Weg auf die Erde freimachten. Unter ihnen befand sich auch ein rothäutiger, behörnter und mit einer Steinhand und Schwanz bestückter Babydämon, dessen Erziehung sich der Okkultismus-Spezialist Prof. Broom annahm. Aus dem Gesandten der Hölle reifte in den folgenden 60 Jahren ein mit übermenschlichen Kräften gesegneter Bekämpfer seiner Artgenossen, Hellboy. Als die Nazischergen mit Hilfe Rasputins und des Dämons der Wiedergeburt, Sammael, erneut die Apokalypse herbeiführen wollen, stellt Hellboy die effektivste Waffe zur Vereitlung des Weltuntergangs dar.

Guillermo Del Toro hat Hellboy mit sichtlicher Freude in Szene gesetzt. Immer wieder lockert er seine Erzählung mit selbstironischen Seitenhieben auf, Hellboy ist ein Superheld unserer Zeit, der sich lakonisch in sein Schicksal gefügt hat, Spleens kultiviert und sich in Liebesangelegenheiten von einem neunjährigen Knirps beraten läßt. Das hat durchaus Stil und unterscheidet den Film von vielen anderen Genrebeiträgen. Tricktechnisch ist, so erstaunlich das klingen mag, erneut eine Qualitätssteigerung auszumachen. Digitale Kreaturen wirken in Naheinstellungen mittlerweile so realistisch wie nie zuvor, lediglich bei den schnellen Bewegungsabläufen kann man nicht umhin, den Pixelursprung der Bilder stets vor Augen zu haben. Hellboy ist ein Film, der Genreliebhabern sicherlich Spaß machen wird, weil er mit Witz inszeniert ist, optisch Einiges zu bieten hat und über zwei Stunden hinweg nicht langweilt. Und doch ist er genauso schnell auch wieder vergessen. Ein Fast Food Film für eine schnellebige, spaßsüchtige Generation. 1970-01-01 01:00
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