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Helden aus der zweiten Reihe

The Replacements. USA 2000. R: Howard Deutch. B: Vince McKewin. K: Tak Fujimoto. S: Bud Smith, Seth Flaum. M: John Debney. P: Bel-Air. D: Keanu Reeves, Gene Hackman, Brooke Langton, Orlando Jones, Jon Favreau, Rhys Ifans, Jack Warden u.a.
118 Min. Tobis StudioCanal ab 21.6.01

Bewährtes 80er Jahre-Handwerk

Von Carsten Happe Howard Deutch hat sie alle gehabt. Zunächst die Jungen, Molly Ringwald in ihrer schönsten Rolle, Lea Thompson und Mary Stuart Masterson; zuletzt die Alten, Sophia Loren, Ann-Margret und Burgess Meredith, Lemmon & Matthau in ihrem letzten gemeinsamen Film. Zwischendurch auch mal Macaulay Culkin, aber der war damals bereits zu alt. Howard Deutch ist ein Handwerker, ein Routinier, wie man so schön sagt. Nie wird sein Name überlebensgroß vom Billboard prangen, die Academy sein Lebenswerk wohl kaum mit Awards honorieren.

1986 drehte Deutch seinen ersten Film – zu jener Zeit, als Pink noch eine pretty wunderbare Farbe war – doch auch sein neues Werk Helden aus der zweiten Reihe wirkt stets, als wären die vergangenen fünfzehn Jahre nie passiert. Und das ist keineswegs böse gemeint, strahlt der Film über einen Footballspielerstreik und die komischen Gestalten, die die Profis ersetzen, doch ein angenehm relaxtes 80er Jahre-Feeling aus. Da wird nicht mit unausgegorenen Inszenierungsmätzchen herumexperimentiert, da werden keine fadenscheinigen Political Correctness-Codes abgerufen – was zählt, ist der gutgeölte Gag, der auch mal bevorzugt die Randgruppen treffen darf.

Höchst professionell spult Deutch die bewährte Dramaturgie klassischer Underdog-Sportkomödien herunter, vorhersehbar ab der ersten Minute zwar, doch immer wieder von kleinen denkwürdigen Kabinettstückchen durchbrochen. Etwa wenn Keanu Reeves' und Brooke Langtons erste Annäherungsversuche vom legendären Sportreporterduo John Madden und Pat Summerall ironisch kommentiert werden oder Rhys Ifans – Mario Basler gleich – vor dem entscheidenden Field Goal erst noch seine Fluppe zuenderauchen muß.

Natürlich ist Helden aus der zweiten Reihe ein ziemlicher Machofilm, auch dies ein Relikt aus den 80ern – Frauen kommen, mit Ausnahme der patenten Brooke Langton, ausnehmend schlecht weg, doch übelnehmen kann man diesem Film seine Unzulänglichkeiten kaum. Spaß macht er einfach, und das soll er auch; die Botschaft, tausendmal erhört und verklungen, nimmt man eh nicht mehr wahr, wohl aber Keanu Reeves' – huch, schon wieder – Eighties-Frisur und Gene Hackmans lustiges Hütchen, irgendwie töfte, aber letztlich doch wohl uncool. So wie der ganze Film, komplett outdated, old-fashioned gar, kein trendiges Retrospektakel, sondern gradliniges Entertainment der alten Schule. Muß auch mal sein. 1970-01-01 01:00
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