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Heimweg

The Road Home. CN 1999. R: Zhang Yimou. B: Bao Shi. K: Hou Yong S: Zhai Ru. P: Columbia Pictures Asia, Guangxi Filmstudios, Pekinger Neue Filmverleihgesellschaft. D: Zhang Ziyi, Sun Honglei Luo, Zheng Hao, Zhao Yuelin, Li Bin u.a.
100 Min. Columbia ab 24.8.00
Von Thomas Waitz Eine karge Eislandschaft, ein Jeep, der durch die Einsamkeit fährt. Schwarzweiß die kontraststarken, sorgfältig ausgeleuchteten Scope-Bilder: Ein Mann auf dem Weg nach Hause. Zhang Yimous Film erzählt eine Rückkehr, und das in doppeltem Sinne: Zum einen ist es ist der Weg, den der Geschäftsmann Luo Yusheng nimmt, als er in sein Heimatdorf und damit in die chinesische Provinz zurückkommt. Es ist aber auch der Heimweg seines verstorbenen Vaters, den es zu organisieren gilt: Die Überführung seines Leichnams zurück in das Dorf.

Wenn dann die redundante Erzählstimme Verwendung findet, typisch für halbherzige Literaturadaptionen, die Bilder farbig werden, ein Foto zu leben beginnt, kurz: die gewöhnlichen Übergänge einer auf Rückblenden basierenden Erzählstruktur einsetzen, ist der irritierende Reiz des Fremden, den der Anfang des Films noch auszeichnete, bereits dahin. In der Binnenerzählung folgt Yimou weitgehend ungebrochen einer konventionellen US-amerikanischen, uninspirierten Auflösung seiner Fabel, für die charakteristisch eine ästhetische Aufladung der alltäglichen Lebenswirklichkeit ist: Den Aufnahmen der Natur, dem Leben der Dorfbewohner wird damit ein geschmäcklerischer Mehrwert zuteil, der diesen nicht nur nicht zukommt, sondern hinter dem eine, möglicherweise tatsächlich vorhandene, vorfilmische Wirklichkeit gänzlich verschwindet.

Schnitt und Kamera sind dessen ungeachtet elegant, doch die stets penibel austarierten Bilder beginnen schnell zu langweilen. Die aufdringliche Farbdramaturgie, der beharrliche Einsatz von Close Ups ermüden. An so mancher Stelle des Films, etwa, wenn der einem synthetischen Klangbild verpflichtete Score auftrumpft, wenn die Bilder in Slow Motion und Gegenlicht zu einem tautologischen Stillstand finden, wenn das Voice Over alles, aber auch wirklich alles zerredet, bleibt nur noch Kitsch.

So wie Hou Yongs Kamera in häufigem Einsatz des Teleobjektivs und geringer Schärfentiefe die Figuren gleichsam aus ihrem Umfeld »herauslöst«, bleiben auch ihre Charaktere beliebig, ihre Handlungen freistehend. Mehrfach tauchen im Film Poster von James Camerons Titanic-Verfilmung auf. Es bleibt der Verdacht, als habe Yimou eine chinesische Variante vorgeschwebt, zwar ohne Schiff, aber mit dem ganzen aufgeblasenen Schmonz einer Errettung des Augenblicks, und es bleibt die Gewißheit, daß ihm dies wohl gelungen ist, leider. 1970-01-01 01:00
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