Von Tom Beyer
Im Mittelpunkt von
Lawn Dogs steht Camelot Gardens, eine jener zahlreichen amerikanischen Neubausiedlungen, die mit ihren akkurat geschnittenen Rasenflächen, den großzügigen Garageneinfahrten und dem nach außen getragenen Wohlhaben an Oberflächlichkeit und Engstirnigkeit nicht zu überbieten sind. Die unheimlichen Abgründe hinter solch perfekter Fassade kennen wir zu genüge, etwa aus den Filmen eines David Lynch.
Wenn auch mit gänzlich anderen Mitteln, so erzählt auch
Lawn Dogs von derartigen Abgründen und setzt der kalten Fassade von Camelot Gardens die Märchenwelt und den Wald als mythischen Ort entgegen. Dieser Welt entstammt Trent (Sam Rockwell), ein Außenseiter, der in einem alten Wohnwagen haust und als Hilfsarbeiter die noblen Vorgärten in der Siedlung auf Vordermann bringt. Von allen kritisch beäugt, sucht allein die kleine Devon (Mischa Barton) die Nähe und Freundschaft zu Trent, die traumhafte und verwunschene Welt, die sie immer öfter zu ihm in den Wald zieht. Da Eltern und Nachbarschaft jedoch eine größere Gefahr in dem Außenseiter vermuten, wird die unschuldige Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt.
Hatte sich John Duigan bislang nicht gerade mit besonders erwähnenswerten Werken hervorgetan, so gelingt ihm mit
Lawn Dogs doch ein wunderbar erzählter Film. Sehr sensibel hält Duigan die Balance zwischen den märchenhaften, kindlichen Elementen der Geschichte und dem sozialkritischen Blick auf die Auswüchse amerikanischen Spießbürgertums.
Großen Anteil an dem Gelingen des Films hat auch das Drehbuch von Naomi Wallace. Selbst in der Gegend aufgewachsen, in der
Lawn Dogs spielt, beschreibt sie die Kluft zwischen dem gesellschaftlich Akzeptierten und dem Fremden mit großer Präzision und hat dazu wunderbar emotionale Kinofiguren entworfen. Dank des tollen Zusammenspiels von Sam Rockwell (
Box of Moon Light) und der großartigen Mischa Barton wird der Zuschauer unweigerlich für die Außenseiterperspektive eingenommen, ohne daß der Film je in kitschiges »Weltverbessertum« abzugleiten droht.
Lawn Dogs entläßt den Zuschauer ebenso gut unterhalten wie verträumt und nachdenklich aus dem Kino und ist bislang eine der angenehmsten Überraschungen des Kinojahrs.