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Heidi M.

D 2001. R: Michael Klier. B: Karin Aström. K: Sophie Maintigneux. S: Bettina Böhler. P: X Filme. D: Katrin Saß, Dominique Horwitz, Franziska Troegner, Ulrike Krumbiegel, Julia Hummer, Kurt Naumann u.a.
X Verleih ab 5.4.01
Von Matthias Grimm Mit Ende 40 ist das Leben vorbei, ganz besonders in Ostberlin, wo Hoffnung der Stagnation gewichen ist, Zukunftsperspektiven unter Plattenbauten begraben liegen. Der Wunsch nach Veränderung ist dem Zynismus gewichen. Es geht nicht mehr voran, nur noch auf der Stelle, nicht weil es bequemer oder einfacher ist, sondern weil es als einzige Möglichkeit verbleibt.

Versprechen sind nur leere Hülsen, diejenigen, die Aufschwung betreffen, und erst recht die von ewiger Treue. Nur die Liebe, die ist ewig, und der Schmerz, der damit verbunden ist. Mit Ende 40 hat man keine Träume mehr, nicht einmal die Illusion von Hoffnung – zu müde, zu schwierig ist alles geworden. Jedoch das Leben ist nicht vorbei, vielmehr Selbstzweck, weil sonst nichts bleibt.

Heidi M. ist schwer, schwermütig, weit davon entfernt, melancholisch zu sein, nicht wie die letzte Berlin-Noireske Frau2 sucht HappyEnd, in der die Erlösung entgegen aller Logik als Vorsehung im Hintergrund wirkte. Klier folgt eher Dresens Nachtgestalten, in dem der Autor mit der Peitsche auf seine Figuren eindrischt, sobald sie nur versuchen aufzuatmen. Von diesem hat Heidi M. auch einen grandiosen Dominique Horwitz, der hier die Erlösung verkörpert – nur eine kleine, nicht der Wunschtraum, mehr der steinige Weg dorthin. Selbst am Ende bleibt der bittere Geschmack, wenn es plötzlich wieder vorangeht. Ein sanfter Blick zurück, dann friert das Bild in seinem Rahmen ein. Die Hoffnung ist in seine semantische Architektur zurückgekehrt, allerdings nur ein Funkeln im Augenwinkel, kein Sonnenschein.

Michael Klier hält seine Figuren erschreckend realistisch auf Distanz, nimmt Perspektiven eines anonymen Beobachters ein: auf offenen Straßen die Totale, in Räumen voyeuristische Winkel. Seine Farben sind grau und schmutzig, ein ewig bewölkter Himmel, der nur selten vom Glitzern einer Neonröhre durchbrochen wird. Plötzlich und unvorbereitet sucht die Kamera nach Nähe: schonungslose Close Ups von ausgelaugten Gesichtern, die zu müde sind, um den Blicken des Zuschauers noch standzuhalten. Mitunter ist das anstrengend, vielleicht etwas langatmig, allein jedoch Katrin Saß als Heidi, als deutsche Vénus beauté, macht den Film sehenswert. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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