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Hedy Lamarr – Secrets of a Hollywood Star

D/CH/CDN 2006. R,B: Fosco Dubini, Donatello Dubini, Barbara Obermaier. K,S: Donatello Dubini. S: Fosco Dubini. P: Dubini Film, Tre Valli Film, Barbara Obermaier Film.
85 Min. RealFiction ab 7.9.06

Hedynismus

Von Oliver Baumgarten Max Reinhardt nannte sie »die schönste Frau Europas«, während sich der Kolumnist Ed Sullivan in den USA gar sicher war, in ihr »die schönste Frau des Jahrhunderts« gesehen zu haben. Hedwig Kiesler hieß die Österreicherin gebürtig, und da mag es gar nicht wirklich verwundern, daß man ihr in Hollywood das Pseudonym Hedy Lamarr andichtete – das klang verheißungsvoll mit diesen leicht verruchten dunklen Vokalen im Nachnamen und jenem geheimnisvollen doppelten »r« am Ende, das phonetisch so wunderschön lange ausklingt.

Und tatsächlich: Hedy Lamarr, die als 20jährige in Gustav Machatys Ekstase als erste Nackte der Filmgeschichte die Leinwand erobert hatte und wie kaum eine andere den Glamour Hollywoods zu leben verstand, steckte voller Geheimnisse. »Any girl can be glamorous«, hat sie einst gesagt, »all you have to do is stand still and look stupid.« Dieser Ratschlag, der noch heute in Kreisen des Showbiz eifrig beherzigt wird, verweist darauf, wie sehr Hedy Lamarr, deren schauspielerisches Talent weit über das eines Starlets hinausging, ihre Situation reflektierte. Denn sie besaß wahrlich Fähigkeiten auch auf anderen Gebieten. So hat sie beispielsweise 1942, also inmitten ihrer darstellerischen Karriere, ein Patent angemeldet mit Namen »Secret Communication System«. Grob und verkürzt dargestellt könnte man behaupten, daß dieses Patent nicht mehr und nicht weniger bewirkt hat als den Weg zur drahtlosen Kommunikation zu ebnen. Für ihre Verdienste erhielt Hedy Lamarr hohe Auszeichnungen in Österreich und den USA.

Damit dürfte Hedy Lamarr zweifellos zu den wohl interessantesten, weil ambivalentesten Figuren des deutschsprachigen Films zählen. Die Dubini-Brüder Fosco und Donatello haben sich gemeinsam mit Barbara Obermaier auf die Fährte der Hedy Lamarr gesetzt und ein feines Bild entworfen, das die private mit der vielschichtigen beruflichen Welt der Diva zu verknüpfen sucht. Über Zeitzeugen-Interviews (u.a. Kenneth Anger und Mickey Rooney), Filmausschnitte und atmosphärisches Material versuchen sie, hinter das öffentliche Bild der Lamarr zu kiebitzen und sich einen Reim auf diese reizvolle Ambivalenz zu machen. Als könnten sie ihren Blick nicht von ihr lassen, bedienen sie sich zudem immer wieder der Interviewbilder und O-Töne, die ein austrisches Kamerateam in den 70ern von Lamarr machte. Es ist eine faszinierende Suche nach dem Wahren in einer so geheimnisvollen Figur, eine Suche, die ansteckt und den alten lieblichen Zauber entfacht, den der Kintopp bereithält. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.
© 2012, Schnitt Online

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