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Haus Bellomont

The House of Mirth. GB 2000. R,B: Terence Davies. K: Remi Adefarasin. S: Michael Parker. M: Adrian Johnston. P: Three River. D: Gillian Anderson, Dan Aykroyd, Eric Stoltz, Laura Linney u.a.
135 Min. Arthaus ab 13.9.01
Von Dietrich Brüggemann Woher kenne ich dieses Gesicht? Irgendwann kommt der Aha-Effekt, und ich erkenne Gillian Anderson. Bis es dazu kommt, hat man schon eine hervorragende Schauspielerin in einer Rolle gesehen, die mit der geradlinigen FBI-Agentin nur wenig Gemeinsamkeiten hat.

Hochgeschlossene Kostüme, Kutschen, prächtige Residenzen auf dem Lande: Die feine Gesellschaft vergangener Tage, in diesem spezifischen Fall im Umland von New York angesiedelt, doch das spielt keine Rolle, denn der Film könnte auch irgendwo anders spielen. Tatsächlich wurde er in Schottland gedreht und verströmt einen durch und durch britischen Geist. Doch eigentlich geht es um die klassischen zeit- und ortlosen Zutaten des Kostümfilms: Geltungssucht, Status, Intrigen und das herzlose Maskenspiel der besseren Gesellschaft.

Gillian Anderson spielt eine vornehme, gerade noch jung zu nennende Dame, deren einziger Makel in mangelnder finanzieller Rückendeckung besteht. Um nicht unangenehm aufzufallen, macht sie mit bei den harmlosen Salonspielen, die in ihren Kreisen so üblich sind. Bei denen geht es aber dann um Geld, welches sie nicht hat. Ein reicher Mann gibt ihr welches, verlangt Gegenleistung in Naturalien, sie weist ihn empört zurück; damit beginnt ihr tiefer Fall.

Den schildert der Film ohne große Gesten, aber mit viel Einfühlungsvermögen. Ob das, wie Regisseur Terence Davies meint, eine Parabel auf unsere heutige Gesellschaft darstellt, ist fraglich. Auf jeden Fall ist es ein nicht nur handwerklich exzellent gemachter, stimmig gebauter Film, der mit leisen Tönen das innere Drama einer durchaus liebenswerten Person nachzeichnet. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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