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Haus aus Sand und Nebel

House of Sand and Fog. USA 2003. R,B: Vadim Perelman. B: Shawn Lawrence Otto. K: Roger Deakins. S: Lisa Churgin. M: James Horner. P: DreamWorks SKG, Bisgrove Ent. D: Jennifer Connelly, Sir Ben Kingsley, Ron Eldard, Shohreh Aghdashloo u.a.
126 Min. Kool ab 17.2.05

American Nightmare

Von Katja Spranz Das Damoklesschwert schwebt von Beginn an über allen Beteiligten. Über der Familie des ehemaligen iranischen Generals Massoud Amir Behrani, über der vom Ehemann verlassenen Alkoholikerin Kathy Nicolo und über dem Polizisten und Familienvater Lester Burdon. Die Kulisse ist nicht das Kalifornien des Glamours, der Stars und der Sonne, sondern ein dunkler, bedrohlicher und melancholischer Lebensraum, der die Verzweiflung der Menschen widerspiegelt. Die Geschichte ist schnell erzählt: Durch einen bürokratischen Fehler wird das Haus von Kathy zwangsversteigert; der Einwanderer Behrani, ehemals stolzer Oberst, jetzt Tagelöhner, kauft es für einen Spottpreis als Investitionsobjekt. Der verheiratete Polizist Lester verliebt sich in Kathy und versucht, den Käufer unter Druck zu setzen, um das Haus zurückzubekommen. Der Iraner zeigt den Mann wegen Amtsmißbrauchs an.

Es beginnt ein erbitterter Kampf. Das – ziemlich unspektakuläre – Haus ist nicht einfach ein Wertobjekt, sondern es ist für die Beteiligten das Leben, es stellt die Berechtigung dar, auf der Welt zu sein. Für Kathy ist es Halt, und das »Zuhause« ermöglicht ihr, wenigstens den Schein zu wahren. Für Behrani ist die Investition in das Haus eine Möglichkeit, endlich ein wirkliches Leben zu haben. Nicht nur die Einwandererfamilie ist fremd in Amerika und auf der Welt: In dieser Geschichte sind es alle. Kathy wirkt wie ein verlorenes, traumwandlerisches Wesen. Sie bittet ihre Familie um Hilfe und auch Lester, von dem sie sich Sicherheit erhofft: Keiner erhört sie, niemand entscheidet sich für sie, alle sind mit sich selber beschäftigt und taub für den Schmerz anderer.

Die Figuren scheinen einerseits wild entschlossen, andererseits sind sie völlig orientierungslos: Lester kann sich zwischen neuer Liebe und alter Familie nicht entscheiden, Behrani, seine Frau und der Sohn sind heimatlos und schaffen es nicht, die verschiedenen kulturellen Welten kreativ zu verbinden. Die Situation wird für alle immer auswegloser, für eine Lösung ist es längst zu spät. Ben Kingsley läßt in seiner Figur das Militärische in jeder Sekunde durchschimmern, Jennifer Connellys Kathy wirkt mit ihrem traurigen, puppenhaften Engelsgesicht wie eine Elfe vom anderen Stern.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf und erscheint als Übermacht, auf die menschliches Handeln keinen Einfluß hat, als Übermacht, die die Menschen wie Spielfiguren auf den Abgrund zurasen läßt. Alle Figuren wollen ihre Träume verwirklicht sehen, doch keiner glaubt tief im Inneren daran, daß dies geschehen wird. Die Melancholie zieht sich durch die Bilder und Gesichter und macht aus der Geschichte einen wunderschönen, traurigen Film. Kein Lichtblick lindert die Existenzqualen der Figuren, die sich selbst schon mit dem Minimum an Leben abgefunden haben und denen selbst dieses Wenige aus den Händen gleitet. Sie sehnen sich nach Wärme, Anerkennung und Aufnahme in die Gemeinschaft der Glücklichen. Doch jede Begegnung mit dem Anderen entwickelt sich zur Tragödie und erzeugt noch mehr Einsamkeit.

Depressive Kinogänger sollten diesen Film auf jeden Fall meiden, denn er stellt das Prinzip Hoffnung in Frage, untermalt diese Zweifel mit schaurig-schönen Bildern, die eiskalte Schauer verursachen.

Am Ende steht für alle Akteure der Tod, Verbrechen und Verzweiflung. Die Menschen erscheinen als Opfer, die für ihre bescheidenen Träume bestraft werden 1970-01-01 01:00

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