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Das Haus am See

The Lake House. USA 2006. R: Alejandro Agresti. B: David Auburn. K: Alar Kivilo. S: Alejandro Brodersohn. M: Rachel Portman. P: Village Roadshow. D: Keanu Reeves, Sandra Bullock, Dylan Walsh, Shohreh Aghdashloo u.a.
98 Min. Warner ab 6.7.06

Zeitlose Liebe

Von Nadine Sohn Drei Dinge sind ausreichend, um die Stimmung dieses Filmes zu beschreiben. Erstens der Untertitel: »Kann ihre Liebe Raum und Zeit überwinden?«. Zweitens einige Titel des Soundtracks: »A Man And A Woman«, »This Never Happened Before«, »It's Too Late« und »There Will Never Be Another You«. Schließlich die für den MTV Best Kiss Award nominierten Sandra Bullock und Keanu Reeves. Die Geschichte weckt dennoch das Interesse für diesen Film: Dr. Kane Forster verläßt ihr geliebtes Haus am See, das fortan der Architekt Alex Wyler bewohnt. Nach kurzer schriftlicher Korrespondenz entdecken die beiden nicht nur ein Interesse am jeweils anderen sondern auch, daß sie in verschiedenen Zeiten leben. Sie im Jahr 2006, er im Jahr 2004.

Doch was wie eine Parabel über Zeit, Architektur und über postmoderne Bindungsangst beginnt, sinkt schnell zur platten Hollywoodromanze ab. Mit zahlreichen Stereotypen: Da sitzt die Single-Frau abends bei einem Glas Wein zu Hause und spielt gegen ihren Hund (bekanntlich der treueste Begleiter des verzweifelten Singles) Schach, und der Architektensohn erkämpft sich das Ansehen seines Architektenvaters.

Auch sonst macht es sich der Film zu einfach: Zunächst kommunizieren die beiden Hauptfiguren noch schriftlich über ihren Briefkasten, doch als ein Dialog dies ersetzt und sie sich gegenübersitzen (lediglich die Passanten verschwinden in der Bildmitte plötzlich), geht für den Zuschauer die Magie der Situation verloren. Die wenigen ansprechenden Bilder sind Ansichten Chicagos – und verdanken ihren Charme weniger der Kameraarbeit als der interessanten Architektur, die als Motiv immer wieder aufgegriffen wird, insgesamt aber dekoratives Beiwerk bleibt. Die Liebe sorgt letztlich für ein Happy End: Sie besiegt nicht nur die Zeit und den Tod, sondern auch die langweiligen Sexualpartner, mit denen der Single sich mangels besserer Auswahlmöglichkeiten abgibt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.
© 2012, Schnitt Online

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