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Das Haus am Meer

Life as a House. USA 2001. R: Irwin Winkler. B: Mark Andrus. K: Vilmos Zsigmond. S: Julie Monroe. M: Mark Isham. P: New Line Cinema. D: Kevin Kline, Kristin Scott Thomas, Hayden Christensen, Jamey Sheridan u.a.
126 Min. Warner ab 4.7.02
Von Carsten Tritt Dies ist ein Film über Immobilien, also bleibende Werte, in immaterieller (die Familie) wie in materieller Form (das Haus). Letztere tritt als Statthalter und Metapher bis zum Erreichen des erstgenannten auf und verliert erst dann an Bedeutung, wenn die Familie des Protagonisten namens George sich ihrer inneren Zusammengehörigkeit wieder bewußt geworden ist.

George selbst ist ein gescheiterter Architekt, geschieden und todkrank, der vom Autor mit den üblichen liebenswert-skurrilen Eigenheiten ausgestattet ist, wie sie in Melodramen gerne verwandt werden, um die Figur als eigenständiges Individuum erscheinen zu lassen, und auf die die Rezensenten der »Brigitte« und der »Hörzu« sicherlich mehr eingehen werden, als ich es hier zu tun gedenke. George hilft sodann seinem Sohn, der der Elternschreck-Rockmusik verfallen ist, und dem es an jeglichen Zielen mangelt, aus der Orientierungslosigkeit zurückzufinden.

Die US-Studios wissen, daß es einen Bedarf an anspruchsvollem Kino gibt, und haben es längst geschafft, Anspruch in Schemata zu standardisieren, bei deren Einhaltung eine profitable Bewirtschaftung dieses Marktes gewährleistet ist. Das wirklich Erschreckende dabei ist, daß sie damit eine durchaus hohe Qualität erreichen. Zwar versagt auch ein Großteil der Hollywood-Melodramen, aber Das Haus am Meer ist sowohl unterhaltsamer als auch intelligenter als die letzten zehn europäischen Autorenfilme, die ich gesehen habe.

Weil sich das europäische Arthouse gerne darauf beschränkt, daß sich irgendwelche durchschnittlich talentierten Jung- oder Altfilmer selbstverwirklichen und Massen von »wichtigen« Filme (mit Botschaft, die nicht Mittel zum Zweck ist und die deswegen zumeist auch etwas weniger konservativ als bei den Amerikanern ausfällt) fabrizieren, während New Line Cinema sich hier vor allem als Dienstleister am Publikum versteht. Strenggenommen könnten sie auch gleich eine Garantieerklärung aufs Aushangplakat drucken: »Dieser Film enthält mindestens 55% Anspruch und 20% Herzschmerz.«

Was verbleibt, ist das Paradoxon eines am Reißbrett entworfenen Films über bleibende immaterielle Werte, der funktioniert. Diese Kritik hat übrigens auch eine (etwas dick aufgetragene) Botschaft. Ich möchte mich dafür entschuldigen, das war keine Absicht. Aber dies ist einer jener Filme, über die längst alles gesagt ist, was zu sagen war. Hiermit nun auch von mir. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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