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Harte Jungs

BRD 2000. R: Marc Rothemund. B: Granz Henman. K: Hans-Günther Bücking. S: Sandy Saffeels. P: Bernd Eichinger, Constantin Film. D: Tobias Schenke, Axel Stein, Luise Helm, Sissi Perlinger, Stefan Jürgens u.a.
100 Min. Constantin Film ab 30.3.00
Von Dietrich Brüggemann Im Sommer 1998 gingen über eine Million Deutsche ins Kino, um sich einen Film anzusehen, der den Titel Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit trug. Marc Rothemund, Regisseur dieses Werkes, bringt nun seine nächste Arbeit auf die Leinwand. Er spielt einmal mehr zur Paarungszeit. Die Protagonisten sind diesmal nicht so ganz geschlechtsreif, dafür findet das Ganze auch nur in der Kleinstadt statt. Tobias Schenke spielt den Teenager Florian, der eines Morgens erleben muß, wie sein Zentralorgan mit gequetschter Cartoon-Stimme zu ihm spricht. Die hieraus sich ergebenden Verwicklungen liefern Stoff für die mit großem Abstand peinlichste Stunde, die der deutsche Film uns in den letzten schätzungsweise fünfzig Jahren geliefert hat. Erst gegen Ende wendet er sich gnädigerweise einer Schultheateraufführung zu, bei der dann auch natürlich ganz viel schiefgeht, was unheimlich lustig ist und nach dem, was man vorher mitgemacht hat, eine echte Erleichterung bedeutet.

Die größte Katastrophe zeigt sich bereits in Gestalt des Hauptdarstellers – ein schauspielerische Totalausfall. Er muß auch noch einen Off-Kommentar sprechen, und diese Aufgabe übersteigt seine Fähigkeiten. Da freut man sich doch jedes Mal, wenn zwischendurch auch mal seine Freunde auftreten dürfen. Axel Stein, 17, firmiert im Film unter dem Kampfnamen »Red Bull« und spielt vermutlich sich selbst. Da kann auch bei planloser Regie nichts kaputtgehen. Luise Helm spielt Lisa, die zunächst nur eine Freundin des Helden ist und am Ende seine Freundin. Anfangs nimmt man sie kaum wahr. Doch ihr Gesicht setzt sich im Kopf fest, sie spielt zurückhaltend und doch intensiv. Ihre Leistung ist das einzig Sehenswerte im ganzen Film. Die erwachsenen Schauspieler sind mit ihren Rollen völlig allein gelassen und kalauern sich dementsprechend ziellos durch die – äh, ja, die Story:

Dem Helden sagt sein Schwanz, daß er Sex will und zwar sofort. Held verguckt sich dementsprechend in surreal aufgeblasenes Busenmonster. Letzteres hat Freund: Groß, böse, Lederjacke. Held ruft Sex-Hotlines an, hat keine Ahnung, wovon da überhaupt die Rede ist. Und so weiter.

Es scheint sich ein neues Subgenre zu bilden: der Deflorationsfilm. Könnte ja ganz lustig sein. American Pie war bekanntlich der Brüller. Doch Harte Jungs ist nicht nur peinlich schlecht, sondern ärgerlich. Ärgerlich, weil er seine Zielgruppe permanent verarscht, weil er sich weigert, seine Welt ernst zunehmen, weil er ein weiteres Mal jede Chance verschenkt, Komik aus der Realität zu holen. Stattdessen plattgehauene Klischees, dumme Sprüche und schlechte Witze. Schade um die jungen Darsteller. 1970-01-01 01:00
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