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Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Harry Potter and the Chamber of Secrets. USA 2002. R: Chris Columbus. B: Steve Kloves. K: Roger Pratt. S: Peter Honess. M: John Williams. P: Heyday Films, 1492 Pictures. D: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Kenneth Branagh, Richard Harris u.a.
165 Min. Warner ab 21.11.02

Langweiliger Nachfolger

Von Holger Liepelt Vor einem Jahr war an dieser Stelle zu lesen, daß Harry Potter und and the Sorcerer's Stone gerade rechtzeitig in den Kinos erschienen ist, um noch von der Hysterie um Harry zu zehren (salopp gesagt). Dieses Jahr ist die Situation anders: Der Hype ist vorbei. Optimistische Naturen könnten anführen, daß dadurch Gelegenheit geschaffen wurde, mit weniger Druck einen besseren Film zu liefern als eine Seite für Seite-Illustration des Buches. Chris Columbus merkte jedoch, nachdem er auch für Harry Potter und die Kammer des Schreckens verpflichtet wurde, in einem Interview, daß er diesen Film mit demselben Team und dem gleichen Einsatz drehen wolle – eine veritable Drohung.

Es läßt sich vorrausschicken, daß das zweite der Potter-Bücher wohl das schwächste ist; der Sequelcharakter ist deutlich spürbar, was die Verfilmung nicht gerade vereinfacht. Grund genug, den eigentlichen Plot mit Anekdoten auszugestalten oder Nebenfiguren Raum zu bieten, was ja im Grunde die Stärke der Romane ist: das Amüsement über den Alltag in einer Schule für Zauberei, der im Grunde nicht viel anders ist als der in einem gewöhnlichem Internat. Das Alltägliche war schon im ersten Film sträflich vernachlässigt worden, jetzt fängt es erst gar nicht an. Beginnen in der Vorlage die Schrecknisse nach und nach und bedrohen erst am Ende die Schule, scheinen Harry und Ron im Film von Beginn an nichts anderes zu tun zu haben, als sich um die Kammer zu kümmern. Auflockernde Episoden wie die Todestagsparty des Kopflosen Nick (welch Gelegenheit!) oder die alljährliche Weihnachtsfeier finden nicht statt; interessante Nebenfiguren: Fehlanzeige. Nur Kenneth Branagh als narzißtischer Schreiberling darf eine Prise Humor beisteuern, aber auch hier gilt letzten Endes: Chance vertan. Und wenn mal nicht gezaubert und getrickst wird, spottet die Inszenierung jeglicher Beschreibung: über Schuß-Gegenschuß kommt kein Dialog hinaus. Harry Potter und die Kammer des Schreckens ist erzlangweilig.

Besser als an den Potter-Filmen und der Herr der Ringe-Verfilmung (da beide zeitlich und thematisch so eng beieinander liegen) kann man die Motivation der Vertreter der Autorentheorie wohl kaum vorführen: Hier der Angestellte, an den ein Stoff vergeben wird (Columbus ist nicht mal erste Wahl; Steven Spielberg hatte zuvor abgelehnt), dort der Getriebene, der seinen Stoff selbst aussucht. Hier der Kalkulierende, der nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner forscht, dort der Interpretierende, der seine Vision (eines Buches) verbildlicht. Hier gewünschte Konturlosigkeit, dort Handschrift. Joanne K. Rowling sagte mal, sie hätte sich Terry Gilliam als Regisseur gewünscht. Man hätte auf sie hören sollen. 1970-01-01 01:00

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