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Harry Potter und der Orden des Phönix

Harry Potter and the Order of the Phoenix. GB 2007. R: David Yates. B: Michael Goldenberg. K: Slawomir Idziak. S: Mark Day. M: Nicholas Hooper. P: Warner Bros. Pictures, Heyday Films. D: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson u.a.
138 Min. Warner ab 12.7.07

Fortsetzung folgt

Von Maike Schmidt Huch, schau an. Schon wieder ein Jahr um. Woran zu erkennen? Ein weiterer Teil der Potter-Saga läuft an. Erneut stellt sich Harry samt Verbündeten den dunkeln Mächten, erneut rettet er vor einreißenden Sommerlöchern in monatlichen Abrechnungen der internationalen Lichtspielhäuser. Wie schon vor gut zwei Monaten Spider Man 3 den Multiplexen der Welt volle Saalbelegung sichern konnte, wird auch Harry Potters fünftes Abenteuer dafür sorgen, die Filmauswahl der Kinogänger ca. zehn Tage lang empfindlich einzuschränken, wird doch dieser Film Kino 1-5 belegen und das zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten.

Wie schon Teil drei und vier anzukünden vermochten, zeigt sich hier eines von vornherein deutlich: Wer das Buch nicht gelesen und die letzten vier Jahre auf Pottermania verzichtet hat, wird nichts verstehen, kann beruhigt neun Euro sparen, denn dieser Film bietet keinen Genuß für unbefleckte Besucher. Daß dies auf den Großteil der Kinogänger natürlich nicht zutreffen wird, sei dahingestellt. Das Phänomen der Fortsetzung zeigt sich hier eben in absoluter Reinkultur. Worum es also schließlich in diesem fünften Teil geht, ist daher gar nicht mehr wichtig zu notieren.

David Yates stellt sich beflissentlich in eine Reihe mit seinen Vorgängern. Bietet dem Zuschauer somit keine Brüche in der Erzählung, Dramaturgie und Umsetzung. Seine Inszenierung setzt auf große Effekte, große Kulissen und noch größere Wertvorstellungen. Freundschaft und Liebe, der Kampf zwischen den klar getrennten Polen Gut und Böse bleibt Essenz der Potterwelt und kulminiert in ungeheurer Dramatik. Daß dabei Wert gelegt werden sollte auf die immer komplexer werdenden Probleme junger Heranwachsender, daß mit diesem fünften Teil psychologische Dichte in die Figuren transportiert wurde, ist dabei so nebensächlich wie lächerlich. Charakterstudien haben hier nichts zu suchen, es geht um das Erschaffen bzw. Halten dieser imaginierten Welt, was den Kulissenbauern, Kostümbildnern und dem Mann hinterm Special-Effect-Comupter zu verdanken ist und bleibt. Die sich immer deutlicher zeigende Gefahr des Bösen wird im immer düsterer werdenden Setting verewigt, logische Konsequenz einer einfachen Gleichung.

Lichtpunkte zeigen sich durch mittlerweile zum guten Ton gehörende Auftritte der englischen Schauspielerspitzengarde, hier Helena Bonham-Carter und Imelda Staunton, welche – das sei dem Film und seinen immanenten Strukturen zugestanden – sich austoben dürfen und einen alten Gedanken des kindlichen Verkleidens und In-eine-Rolle-Schlüpfens neu aufleben lassen.

Was bleibt, ist die sichere Ahnung, daß dieser Film volle Kassen bringen wird, neben der Wahrscheinlichkeit, daß aufgrund gleichgebliebener Rezeptionskost die Zufriedenheit des Publikums wohl ungetrübt ausfallen wird, ebenso wie eine absehbare Halbwertzeit, die dem Film aufgrund fehlender Eigenständigkeit ins Gefüge geschrieben wurde. 1970-01-01 01:00

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