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Harald

D 1996. R,B: Jürgen Egger. K: Seamus McGarvey. S: Ueli Christen. M: Manu Kurz. D: Heinrich Schafmeister, Martina Gedeck, Ingo Naujoks, Cay Helmich, Gesche Tebbenhoff, Michael Lerchenberg, Maximilian Wigger, Sönke Wortmann u.a.
92 Min. Kinowelt ab 2.1.97
Von Oliver Baumgarten Eigentlich entlarvt sich Jürgen Eggers Film bereits im Untertitel selbst. »Der intergalaktische Herzensbrecher« Harald ist im Prinzip nichts weiter als der irgendwie putzige Exot, in den sich irgendwie alle Frauen verlieben, was wir irgendwie schon tausend Mal gesehen haben und letztlich Beziehungskomödie heißt.

Nur hier ist der Exot eben ein E.T. (Extratrashial), der auf der Erde Pauschal-Urlaub gebucht hat und diesen nun bei Rica (Martina Gedeck) zu verbringen gedenkt. In der Pauschale inbegriffen ist die Hölle des menschlichen Körpers, der in der Benutzung so seine Tücken birgt und Harald mit dem Erlernen menschlicher Verhaltensweisen vor einige Probleme stellt. Rica findet's süß, manch Zuschauer wird es eher mit gemischten Gefühlen sehen.

Gleich am Beginn wird Harald per »Transporterstrahl« auf einen Hinterhof gebeamt. Mülleimer stehen herum, eine Böe kommt auf, und langsam pixelt sich eine Gestalt zusammen – der Terminator? Bestimmt nicht. Vielmehr wirkt die Szenerie mit dem Spot und dem Mann im Anzug wie der Vorspann von Mr. Bean, den man ganz offensichtlich auch im All nicht mehr erträgt und ihn dann recht rüde aus einem UFO kickt. Einen ähnlichen Rausschmiß könnte man den Aliens in Bezug auf den nervigen Harald selbst gar nicht verübeln.

Heinrich Schafmeister füllt die Figur streckenweise tatsächlich mit Atkinsonscher Mimik und Gestik, gepaart mit Data-Anteilen und einer pythonesk anmutenden gebremsten Albernheit, die in dem immerhin mutigen Versuch gipfelt, John Cleese' »Silly Walk« (ich sag es mal nett:) zu zitieren. Daß der Film letztlich scheitert, liegt gar nicht mal an Schafmeister, der sich schlingernd, aber tapfer auf dem Grat der Erträglichkeit hält. Vielmehr ist Jürgen Eggers Regie viel zu einfallslos, seine Story weiß mit dem Außerirdischen kaum etwas anzufangen und flieht zu schnell in die Beziehungsecke. Die Gags sind auf unangenehme Weise gewöhnlich und nur insofern frech, als daß man sie uns zumutet. Harald ist dann doch bei weitem zu harmlos, um wirklich Spaß zu machen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
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