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Hals über Kopf

Head Over Heels. USA 2001. R: Mark Waters. B: Ron Burch, David Kidd. K: Mark Plummer. S: Cara Silverman. M: Randy Edelman, Steve Porcaro. P: Robert Simonds. D: Monica Potter, Freddie Prinze jr., Shalom Harlow, Ivana Milicevic, Sarah O'Hare, China Chow u.a.
87 Min. UIP ab 26.4.01
Von Carsten Happe Das grundlegende Konzept der Romantic Comedy scheint in letzter Zeit alleine nicht mehr auszureichen – just Boy Meets Girl, das war einmal. Statt dessen werden Flugzeugabstürze und ähnlich dramatische Ereignisse herbeizitiert, um die beiden füreinander Bestimmten in die gleiche Umlaufbahn zu schicken.

Auch ein vermeintlicher Mord kann der aufkeimenden Beziehung eine neue Intensität geben, wie die Hals über Kopf verliebte Amanda erfahren muß: Hat sie nicht ihren neuen Freund, den gutaussehenden, smarten Jim dabei beobachtet, wie er eine Frau umgebracht hat? Ist er nicht ohnehin »too good to be true«? Amanda und ihre vier Mitbewohnerinnen – allesamt Supermodels! – forschen natürlich nach und landen, ebenso Hals über Kopf, in einer wüsten Krimistory.

Bis dahin hat der Film bereits mehrmals Richtung und Tempo gewechselt, immer verzweifelt auf der Suche nach dem naheliegenden Gag. Kaum minder schamlos zitiert Regisseur Mark Waters in seiner zweiten Regiearbeit das zentrale Motiv aus Rear Window, beutet es aus, bis es nicht einmal mehr zur Parodie reicht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes im Klo hinuntergespült wird. Diese Einsprengsel pubertären »Toilet Humors«, die vermutlich der zugrundeliegenden Story der There's Something About Mary-Co-Autoren entliehen wurden, belegen vor allem die Ratlosigkeit des Regisseurs und sein Unvermögen, dem Film eine eigene Note zu geben.

Auch mit der Besetzung der männlichen Hauptrolle hat man sich kaum einen Gefallen getan; während Monica Potter zumindest glaubhaft zwischen Schein und Sein, wahrer Liebe und großem Leichtsinn balanciert – mitunter an der Grenze zur überengagierten Komik – agiert Freddie Prinze jr. wie immer: farblos. Den Teeniekomödien entwachsen, sitzt er nun zwischen allen Stühlen, denn zum gestandenen Leinwand-Lover reicht es erst recht nicht.

Auch der Film selbst versucht sich am Spagat, mit streckenweise erschreckenden Konsequenzen: Um ihn den Kids in Übersee schmackhafter zu machen, wurde ein Teil des Soundtracks ausgetauscht. Anstelle gehobenen Pops von Alex Gopher, Leona Naess oder Dido bekommt der europäische Zuschauer nun die Plastik-Variante in Form der A*Teens, Ann Lee und Ronan Keating zu hören. Einem Auto mag die Stromlinienform zuträglich sein, Filmen sicher nicht. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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