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Hallo, Mr. President

The American President. USA 1995. R: Rob Reiner. B: Aaron Sorkin. K: John Seale. S: Robert Leighton. D: Michael Douglas, Annette Bening, Martin Sheen, Michael J. Fox, Richard Dreyfuss u.a.
114 Min. ab 14.12.95
Von Olaf Adam Rob Reiner ist einer der soliden Handwerker Hollywoods. Mit Filmen wie Harry und Sally und Misery hat er bewiesen, daß er in der Lage ist, in jedem Genre Filme zu machen, die etwas mehr als bloße Durchschnittsware sind – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit Hallo, Mr. President hat er nun eine soap-opera im Schmalzoscope-Format auf die Leinwand gebracht.

Die Story ist eigentlich schnell erzählt: Andrew Shepherd (der gute »Hirte«: M. Douglas) ist Präsident der USA und damit, zumindest nach bestimmten Gesichtspunkten, der mächtigste Mann der Welt. (Diejenigen, die eigentlich die Macht haben, werden sich hüten, die Amerikaner von diesem Glauben abzubringen). Gleichzeitig ist er aber auch ein sehr einsamer Mann, verwitwet und durch seinen Job so eingespannt, daß ihm für normale soziale Kontakte keine Zeit bleibt.

Da läuft ihm nun – ach ja, so ist das Leben – die schöne, intelligente, charmante usw. Sydney Wade (A. Bening) über den Weg, beleidigt ihn ein bißchen (unabsichtlich), und versucht – so richtig niedlich verstört – das oval office durch die falsche Tür zu verlassen. Und schon ist es passiert: Mr. President hat sich verliebt.

Die nun erwachsenden Probleme liegen auf der Hand: sein innenpolitischer Berater (richtig schön jungdynamisch: M.J. Fox) flippt aus, die Frau im Blumenladen fühlt sich verarscht und sein politischer Gegner (viel zu selten zu sehen: R. Dreyfuss) wittert eine Gelegenheit, den bis jetzt moralisch unangreifbaren Präsidenten zu diskreditieren.

Das Ganze ergibt eine nette Komödie, die, zumindest wenn der Zuschauer seine synaptische Aktivität auf ein Minimum reduziert, durchaus zu unterhalten weiß.

Streckenweise recht witzig, aber auch mit Attacken auf die Tränendrüsen garniert, ist der Film für die ganze Familie von 10-100 geeignet, oder aber auch für den Samstagabend, wenn man mit seinen Freunden schlotternd vor dem Multiplex steht und sich wieder nicht auf einen Film einigen kann.

Wer jedoch einen politischen Film erwartet, sollte sich besser The War Room (D. A. Pennebaker, 1993) anschauen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #01.
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