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Guesthouse Paradiso

Guest House Paradiso. GB 1999. R: Adrian Edmondson. B: Adrian Edmondson, Rik Mayall. K: Alan Almond. S: Sean Barton. M: Colin Towns. P: Polygram Films/Samuelson Productions. D: Rik Mayall, Adrian Edmondson, Vincent Cassel, Hélène Mahieu, Fenella Fielding, Steve O'Donnell u.a.
90 Min. UIP ab 2.11.00

Brtitischer Wortwitz

Von Frank Brenner »Bottom« heißt auf deutsch nicht nur »das unterste Teil«, sondern auch »Hintern« – und damit dürfte von Anfang an klar sein, auf welche Art von Humor sich die gleichnamige britische Serie um Richard Richard und Eddie Hitler konzentriert. Englische Komödien sind in der Regel fein-nuanciert unterhaltsam oder schwarzhumorig-derb. Wo die Monty Pythons Ende der 60er Jahre Tabus brachen und den Weg ebneten, haben Adrian Edmondson und Rik Mayall Anfang der 90er weitergemacht – und noch einen oder zwei draufgesetzt. Es ist äußerst schade, daß sich bislang noch kein Drittes Programm oder arte dieser respektlosen kleinen Serie angenommen und sie in Deutschland im Original mit Untertiteln ausgestrahlt hat. An der Zeit wäre es jedenfalls, vielleicht gibt ja ihr Kinoabenteuer Guest House Paradiso den Ausschlag dafür.

Die beiden Chaoten, die stets nur nach der Befriedigung ihrer niedersten Instinkte gieren, haben im Film andere Nachnamen bekommen und führen nun ein heruntergekommenes Hotel (Fawlty Towers, ein anderer Britenklassiker von und mit John Cleese, läßt grüßen), in dem die Gäste angepöbelt, beklaut und malträtiert, keinesfalls aber nach ihren Erwartungen behandelt werden. Für zusätzliches Aufsehen sorgt die oscarprämierte Hollywoodschönheit Gina Carbonara, die den Paparazzi entfliehen und deswegen in einem abgelegenen und unbekannten Hotel absteigen möchte, sowie ein benachbartes Atomkraftwerk.

Guest House Paradiso ist genau wie die Serie »Bottom« die Realversion eines nie gezeichneten Comic Strips. In »Tom & Jerry«-Manier gehen die beiden Hauptakteure aufeinander los und fügen sich Schmerzen zu, die den Zuschauer mitleiden und There's Something About Mary harmlos erscheinen lassen. Trotzdem trägt niemand bleibende Schäden davon. Besonders beliebt ist – in der Tradition der »Three Stooges« – das Finger-in-das-Auge-des-Anderen-Stecken, wenn sämtliche Argumente versagt haben. In Edmondsons Regiedebüt wird das mehrfach auf effektvolle Weise eingesetzt.

Überhaupt zeigt »Eddie« beim Inszenieren ein gutes Gespür für optische Komik, brüllend komische Einfälle und ein fast durchweg exzellentes Timing (lediglich zwei Szenen sind ein wenig überstrapaziert). Der Film stützt sich aber nicht nur auf Bild-, sondern auch auf zahlreiche Wortgags, die stark an die Sprache gebunden sind. Genau wie bei einer möglichen Eindeutschung der Serie sehe ich auf den Synchronautor von Guest House Paradiso gewaltige Probleme zukommen. Ich wage mir kaum vorzustellen, was aus der Szene wird, in der Gina Carbonara ihren Salat »naked, you know – undressed!« bestellt und die beiden notgeilen Hotelbesitzer ihrer Phantasie freien Lauf lassen…

Also: besser die Originalversion anschauen! Vorausgesetzt natürlich, es wurde einem nicht schon bei der Restaurantszene mit Terry Jones aus Monty Python's Der Sinn des Lebens schlecht. 1970-01-01 01:00
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